468
Nachdem er seine Liebe eine Zeit lang bei sich verborgengehalten, entdeckt' er sie endlich dem Iiegenhirten, undthat ihm große Versprechungen, wenn er verschwiegenseyn wollte. Dieser versprach dem Möris zwar Alles;weil er sich aber vor Manto fürchtete, so ging er hin,und entdeckt' ihr die Liebe des Möris. Manto ge-rieth darüber in den heftigsten Zorn, und rief: „Oich höchst unglückseliges Weib! Daß ich diese Nichts-würdige mit hierher führen mußte, die mir ehedemmeinen Geliebten in Phönicien entrissen, und michnun in Gefahr setzt, auch meinen Gemahl zu verlie-ren. Aber Geduld! Anthien soll's nicht zu gute kom-men, daß Möris sie schön findet. Jetzt will ich michganz anders rachen als zu Tyrus." Anfangs blieb sienoch ruhig, als aber Möris einmal verreist war, ließsie den Ziegenhirten kommen, und befahl ihm, An-thien in den dicksten Wald zu führen, und sie dortumzubringen, wofür sie ihn hernach reichlich zu beloh-nen versprach. Der Ziegenhirt, welcher eben so vielMitleid gegen das Mädchen, als Furcht vor Mantohegte, offenbarte, da er zurück kam, Anthien Alles,was wider sie beschlossen war. Sie aber weint' undwehklagte: „Ach! so ist denn überall unsere Schönheituns gefährlich? O unselige Reize! Abrokomas stirbtzu Tyrus, und ich allhicr. Nun bitt' ich dich, duguter Hirt, sey mir noch weiter so gefällig, wie dubisher gewesen bist. Wenn du den Todesstreich mirgegeben hast, so laß deine Händ' aus meinen Augenruhen, und rufe mir noch im Sterben den Namenmeines Abrokomas in's Ohr. Dann wirf einige