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2 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 1
Entstehung
Seite
461
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wie erkühnst du dich, dem Abrokomas so etwas in'sGesicht zu sagen? und in Anthiens Gegenwart mirein anderes Mädchen anzutragen? Ich bin ein Sclave;aber mein Wort weiß ich noch immer zu halten.Haben sie doch nur Gewalt über meinen Körper. MeinGeist ist frei. Manto mag drohen, wenn sie will,

mit Schwert, mit Strang, mit Flammen, und mitallen Qualen, die der Leib eines Sclaven ertragenkann, sie soll mich dennoch nimmermehr bewegen,Anthien zu beleidigen." Anthia verstummte, und sankathemlos nieder. Endlich ermunterte sie sich ein wenigwieder, und sagte:Ich kenne nun dein gutes Herz,

Abrokomas, und weiß, wie zärtlich du mich liebest.Aber ich bitte dich, mein Geliebter, verrathe deineigenes Leben nicht, da du Herr von dem meinigenbist. Opfere dich nicht der Wuth einer Wilden auf.Ergib dich dem Verlangen der Gebieterin»; ich willmich weit genug alsdann von euch, ich will mich ganzaus diesem Leben entfernen. Eine Bitte nur nochgewähre mir dann. Wann ich sinke, so küsse michnoch ein Mal, dann begrabe meine Gebeine, und er-innere dich zuweilen an deine Anthia." Diese Redevermehrte den Schmerz des Abrokomas der Gestalt, daßer vollends nicht wußte, wozu er greifen sollte.

Indessen wurde Manto ungeduldig über RhodensVerzug, und schrieb daher selbst ein Briefchen an denAbrokomas, das also lautete:

Heil dem schönen Abrokomas von seiner Gebie-terin»! Manto schmachtet nach dir, und kann nichtmehr ohne dich leben. Dieses Bekenntniß steht viel-