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2 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 1
Entstehung
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unvermerkt tief in ihr Herz. Bald vernachlässigte sieden Anstand eines Opfermädchens. Immer hatte sieetwas zu reden, daß es Abrokomas gegen über hörensollte, und entblößte von ihren Reizen, so viel siekonnte, damit Abrokomas ihrer gewahr würde. Die-ser, dem nichts entging, wurde, da er sich ganz demlieblichen Anblicke überließ, mit Leib und Seele derSclave des Liebesgottes. Nach vollbrachtem Opferschieden Beide, mißvergnügt über die schleunige Tren-nung, von dannen. Beide wandten noch öfters sichum, blieben stehen, um sich noch einmal anzuschauen,und fanden immer neuen Vorwand, länger zu ver-weilen.

Nachdem sie wieder in ihren Wohnungen angelan-get, wurden sie erst ihres Uebels recht inne. Die un-vergeßliche Erinnerung jenes wechselsweisen Anschauensfachte die Flammen ihrer entzündeten Herzen immermehr an. Den übrigen Thcil des Tages wurde ihreSehnsucht so heiß und lechzend, daß Beide beim Schla-fengehen die heftigsten Qualen empfanden. Abroko-mas zerraufte sein Haar, riß seine Kleider herab,und rief:O ich Elender! Was sind das für Qualen!So ist denn endlich der standhafte Abrokomas, derdie Liebe verschmähte, und ihrem Gotte Hohn sprach,überwunden, gefangen, und der Sclave eines Mäd-chens geworden? Ja, jetzt däucht mir, daß noch Je-mand schöner ist als ich! Jetzt nenne ich Amorn einenGott! Aber, o weichherziger Mensch! Ist es denngar nicht möglich, tapfer zu bleiben? Nicht möglich,auszudauern? Und noch weiter vor Amorn den Vor-