Druckschrift 
2 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 1
Entstehung
Seite
13
Einzelbild herunterladen
 

13

scher erlaubt wird, alle Schranken des Originals nachWillkür zu überspringen, so braucht er noch lange keinGenie vom ersten Range zu seyn, um eine PopischeIlias zu liefern. Wie leicht muß es nicht einem nuretwas feurigen Genie seyn, Poungische Poesie des Stylszu verschwenden, und die erhabene Einfalt mit poeti-schen Blümchen zu überstreuen. Meinem Uebersetzer desHomer wollte ich nicht rathen, bei seiner Arbeit Po-pens Ilias zu viel zu lesen; denn diese Lectüre würdeihn von meinem Ideale ableiten, und seine Uebersehungwürde jene hohe Einfalt verlieren, ohne welche Homernicht mehr Homer bleibet. Ein Poungischer Nachtge-danken-Sänger ist gleichfalls zu meinem Uebersetzer völligverdorben.

Wenn ich dem Uebersetzer die äußerste Treue em-pfehle, so brauche ich wohl nicht zu erinnern, daß meineMeinung nicht ist, er sollte wörtlich nach dem gemeinenLexicon übersetzen. Keinesweges! Vielmehr muß erdenHomerischen Ausdrücken das wahre Gewicht und denwahren Gehalt im Deutschen zuzuwägen suchen. Umaber diesen Gehalt genau zu erforschen, wird ein langer,immerwährender und vertrauter Umgang mit dem altenDichter, und das aller feinste kritische Gefühl erfordert.Wenn man den Lexicon und der Trivial-Übersetzungfolget, so wird es schwerlich fehlen, daß man nicht mei-stens den ehrwürdigen Alten mit einem schmutzigen, un-edeln und lächerlichen Gewände schände. Ich glaube,man wird größtentheils wohl thun, wenn man denHomerischen Ausdruck, der uns lächerlich und unedelklinget, zu adeln suchet. Denn ein so erhabenes Genie,