Druckschrift 
2 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 1
Entstehung
Seite
10
Einzelbild herunterladen
 

10

gesagt, welche die Schöpfer unserer Sprache zu richtensich unterfangen!

Hiernächst bemühe man sich, die älteren Wort-fügungen und Redensarten nachzuahmen. Sie haben vorden neuern oft einen nicht geringen Vorzug. Dennich stimme denjenigen bei, welche sagen, daß die Wen-dungen der älteren Deutschen Sprache mehr Originellesan sich tragen, und daß unsere neumodischen vielfältigaus den Sprachen unserer Nachbarn sich eingeschlichemhaben. Ueber dies hat sie mehr die metaphysische Ord-nung der Redetheile, worin sonderlich die Englische vorunserer heutigen Sprache einen Vorzug hat. Da esdem Deutschen Original-Genie, welches in unfern Zei-ten fast ein Unding geworden, vorzüglich eigen war,deutlich, richtig, ungekünstelt, edel und ernsthaft zudenken, so hatte dies auch einen so mächtigen Einflußauf die Sprache, daß sie sich solchen Gedanken vortreff-lich anschmiegte. Denn der Flug, den das Genie undder Geist eines Volkes nehmen, den nimmt auch dieSprache. Unsere alte Sprache hatte, obigen Eigen-schaften des Deutschen Genies gemäß, eine schöne Prä-ciston, Anstand, eine rührende natürliche Einfalt, starkeFarben und einen männlichen Charakter. HerrlicheEigenschaften, die Sprache einer Ilias abzugeben! IhrAusdruck liefert sogleich dem Leser den wahren undechten Gedanken des Schriftstellers, nicht vergrößert,nicht verkleinert, nicht gestärkt, nicht geschwächt, nichtmit verdrießlicher Zweideutigkeit und Ungewißheit, son-dern so, wie er diesem in der Seele schwebte. DiePeriode der älteren Sprache ist weniger schleppend, als