ehrwürdiger Greis, den aber noch keine Runzeln desAlters entstellt hatten. Jugendliche, zarte und glatteSchönheit hatte er nicht; sondern stärkere Züge derSchönheit des männlichen Alters. Ueber seine Brusthing ein langer Bart herunter, der vielleicht bei ihnenlängst aus der Mode gekommen war. Ungekün-stelt floß sein Haar von der Schulter, da es vielleichtbei ihnen die Kunst schon in Locken legte. Sein Ge-wand schien ihren Augen etwas altväterisch. Kurz,an seiner ganzen Gestalt und Tracht und seinem ganzenWesen erblickten sie Solöcismen, die sie auch gar wohldafür erkannten, aber doch nicht mit Widerwillen an-sahen. Homer war den Griechen dieser Epoche, wasunserer jungen feinen Welt ein braver ehrwürdigerMann nach altem Schrot und Korn ist, dessenSonderheiten und Solöcismen man gern duldet, ja oftsogar mit Wohlgefallen betrachtet, ob man sie gleichselbst nicht nachahmet. Bei dem Allen erregte der alteDichter unter ihnen die größte Bewunderung. Nun,was er in solcher Gestalt unter Griechen vermochte, dasmuß er unter uns auch noch können. Was soll alsoder Deutsche thun, wenn er den Homer unter seineLandsleute führet? — Er soll den alten Mann nichtjung zu schminken trachten; er soll ihm seinen langenBart lassen, ob man gleich jetzt keinen mehr trägt; ersoll sein Haar nicht ü In k'i'rmee kräuseln; viel weni-ger ihm, statt seines altväterischen, aber anständigenund ehrwürdigen Gewandes, ein Kleid nach Französi-schem Schnitte, den Meister Bitaube neulich erfun-den, anlegen; sondern er soll ihm, so viel es nur mög-
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