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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
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Schloß Stein bei Nassau.

76. Die Frau von Stein.

„Dieser Ehren ist zuviel," sprach die edle Frau vom Steine,

„Auch das Glück will End und Ziel, Ziel noch Ende hat das meine

„Beide Söhne sind vermählt, sind ein Schmuck des Ritterstandes,Drei der Töchter auserwählt haben Edle dieses Landes.

„Blieb mir noch das letzte Kind, heute gab ichs einem Grafen,

Also daß es zwölfe sind, die sich hier zur Hochzeit trafen.

„Nun gedoppelt ist die Zahl, Töchter sechs und sechs der Söhne,Mahnt es mich beim frohen Mal, wie ich das Geschick versöhne:

„Denn der Ehren ist zuviel, denn zuviel ist dieser Ehren."Becherklang und Saitenspiel überschallt oft weise Lehren.

Unbeachtet blieb das Wort, aber schon am andern MorgenWar des Hauses Mutter fort, war das Haus in Angst und Sorgen.

Nimmer kehrte sie zurück, wieder sah sie nicht die Lieben;

Sühnen wollte sie das Glück: Niemand weiß wo sie geblieben.

Ob sie sich der Welt begab in der abgeschiednen Zelle,

Ob das Opfer weit hinab trug der Lahn, des Rheines Welle.

Fortgeblüht hat ihr Geschlecht herrlich bis zu unfern Tagen,

Einen Freiherrn recht und echt Deutschland noch zuletzt getragen.

K. S