114
Von nun an schien der höhere Geist, der sie bisher geleitet hatte,von ihr gewichen zu seyn; denn bald rieth sie, nachdem der Königsie um Rath befragte, zum Kampfe, bald mahnte sie wieder davonab. Karl eilte nach der Normandie, um sich der Hauptstadt P a-ris zu bemächtigen. Er kam vor den Montmartre, und ließ dieBorstadt Honorö angreifen. Während des Gefechtes wurdeJohanna gefährlich verwundet. Unverrichteter Sache zog sich derKönig nach Bourges zurück.
Im kommenden Frühfahre belagerte der Herzog von BurgundCompiegne. Johanna sollte es entsetzen. Sie schlug einenTrupp Burgunder, nahm ihren Anführer Franguet gefangen,und ließ ihn hinrichten. Zuletzt aber wurden ihre Leute ausein-ander gesprengt, ein Bogenschütze warf sie vom Pferde, und sogerieth sie in Gefangenschaft.
Sie gieng nun einer grausamen Behandlung ihrer Feinde ent-gegen, während sie sich von ihrem Gönner, dem König Karl,verlassen sah! — Man machte keinen Versuch, diese frommeHeldin zu befreien, noch weniger ein Löscgeld den Engländernanzubieten, fa man that nicht einmal einen Schritt, um ihre
Gefangenschaft zu mildern!. Sie wurde nun von den
Engländern der Zauberei und des Betruges beschuldigt, und manschalt sie eine Here. Sie wurde vor den Richterstuhl des Bischofsvon Beauvais gestellt, in dessen Diöces sie gefangen worden,und der dem englischen Interesse ganz ergeben war. DieVerhandlung des ganzen Procefseö wurde nachher der Universitätvon Paris vorgelegt, deren Mitglieder mit der Meinung ihrerRichter übereinstimmten. Man verschob das Urtheil, um sie durchein klares und offenes Bckenntniß vom Tode zu retten. Alleinsie behauptete auch vor dem Tribunal einen unerschütterlichen Hel-denmuts Sie blieb bei der Aussage: sie sey ein WerkzeugGottes gewesen, und daß sie häufig Besuche von dem ErzengelMichael und von der heiligen Margaretha und Katharinaerhalte.
Als aber der Richter Anstalt machte, das Urtheil zu sprechen,da ergriff sie ein plötzlicher Schrecken, und sie erklärte mit Thränen,sie habe sich getäuscht. Sie mußte nun eidlich versprechen, nie