Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
328
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Pighius überein. Er verehrte die Schrift; er glaubte aber, daß dieTradition der einzige offene Weg sei, auf welchem man einen Ketzerzur Wahrheit zurückführen könne.Laßt uns vor Allem in der Refor-mation eine Autorität suchen," sagt er,und dann sehen, welche Sym-bolik sie habe." Die sächsische Kirche zeigte ihm vielgestaltige Bekennt-nisse, in welche die Lehre der beiden' Evangelisten eine doppelte Be-zeichnung einkleidete, und dann sprach er:Die sächsische Kirche hatdie Wahrheit nicht, sie ist nicht von Gott eingcgebcn; denn der heiligeGeist hat nur einen Odem." Er fragte nun die helvetische Kirche,welche ihm in der nämlichen Sprachverwirrung Antwort gab; und ermußte sich wieder gestehen:Der Stern des Lebens scheine nicht überZürch." Er ging nach Genf und nach Frankreich, wo die evangeli-schen Gemeinden in ihren Lehren zertheilt waren.

Sein Buch war fertig; er wollte diese wirren Lehren so zeichnen,daß sie Jedermann erkennen konnte. Dann bildete er ein Drama,dessen Grundlage er im Eingänge der Bulle Leo's X. gegen Luther,oder vielleicht auch in der Dichtung Palmieri'slu oita tli vita" vor-sand. s) Bensheim öffnet seinen Himmel wie Accolti, leuchtend vonSeraphinen, Erzengeln und Aposteln; der Mönch stellt aber seine Scenean das Ende der Zeiten und nimmt an, daß die Seelen der Heretikerbis zum Tage des letzten Gerichts geschlafen haben, worin ihm wohlder römische Eardinal nicht beigestimmt haben würde.

Die Engel haben in die Trompetten gestoßen, um die Todten zu-sammen zu rufen: die Todten, welche der Reformation angehören, stehenauf. Zuerst erscheint der Doctor von Wittenberg, er hebt den Steinseines Grabes auf und tritt hervor, mit der Bibel in der Hand. Deroberste Richter, mit dem Kreuze von Golgatha an seiner Seite, ruftden sächsischen Mönch an:

Luther, was hast du aus meinem Blute gemachtL" Luther:Herr, ick lehrte, es sei in der Eucharistie wirklich gegenwärtig. Inmeinem Schreiben an den Buchdrucker Froschaucr sagte ich, daßich keine Gemeinschaft mit den Sacramentirern von Zürch haben wolle,daß ich weder eine ihrer Schriften erhalte, noch lese; daß es meinWunsch sei, sie aus der Kirche Gottes verbannt zu wissen: verdammedie Erbärmlichen und stürze sie in die Hölle, ich will keinen Theil anihrer Verdammniß und lästerlichen Lehre haben; so lange ich lebe, willich gegen sie streiten mit meinem Gebete und mit meinen Schriften."

1) lViceron. t. XI, p. 83.

2) ScktusLelburgius, lib. 2. I. ilslv. sil. >2. lol. 133.