dert: es ist nicht mehr das Büchlein, welches die katholische Kirche denKindern in die Hände gab, in welchem die Glaubenslehre mit bewun-derungswürdiger Kürze und mit einer Unschuld des Ausdrucks gegebenist, welcher bei demjenigen, der ihn in sich aufnimmt oder ausspricht,den Glauben des Hauptmanns vvraussetzt; sondern ein hochtrabendesWerk theologischer Gelehrsamkeit, welches für einen hochmüthigen Geist be-stimmt und zum Theil aus der „christlichen Unterweisung" gezogen ist.Der protestantische Pastor konnte nicht mehr wie unser Dorfgeistlickwrsagen: Lasset die Kleinen zu mir kommen; denn sie hätten von derSprache Calvin's nichts verstanden.
Die Katholiken gehorchten, sie lieferten ihre Bücher aus, verlie-ßen die Stadt, oder schlossen sich an die Reform an, wenn das In-teresse lauter sprach, als das Gewissen. Die furchtbarsten Feinde hatteCalvin an den Eidgenossen: er griff sie auf der Kanzel an, beschimpfteihren Glauben, lästerte ihre Sitten und ihre Gewohnheiten, er stelltesie als Hurer, Trunkenbolde, Lästerer des heiligen Namens Gottes,und als Diebe dar, welche das Evangelium zu Grunde richten wollen.Farel war noch heftiger: er wünschte den Zorn Gottes über sie herab,spielte die Rolle eines begeisterten Sehers und schrieb das Urtheil überdie Libertiner an die Mauern der Kirche. Die Eidgenossen lachten überall diesen Lärm; sie glaubten von dem Volke beschützt zu werden fürdie Dienste, welche sie der Republik geleistet hatten, für ihren Hass ge-gen das Haus Savoyen, für die Vaterlandsliebe, von der sie so viel-fache Proben abgelegt hatten. Als man ihnen die Beleidigungen hin-terbrachte, welche Calvin von der Kanzel herab gegen sie ansgesprochenhatte, zogen sie ihre Oberkleider aus und schoben ihre Westen zurück,um die Wunden zu zeigen, die sie im Kampfe für die Freiheit des Vol-kes empfangen hatten, und sagten: Geht hin zu Herrn Wilhelm undMeister Johann, diesen säubern Herren, sie sollen uns eben so vielOpfer bringen und wir wollen an sie glauben. — Obwohl die Poli-zeistunde vorüber war, verließen sie doch die Schenke nicht, sondernfuhren fort zu trinken, zu lachen und sich über die Prävicanten lustigzu machen. Calvin hatte ergebene Freunde, welche ihm diese Aeusser-ungen hinterbrachten. Er mußte diesem Treiben dadurch ein Endemachen, daß er das Glaubensbekenntniss vom Rache als ein Staatsge-setz erklären ließ.
Der Rath nahm lange Zeit Anstand; er gab aber nach einem leb-haften Streite der Stimme des Prädicanten nach: Calvin solle dieGottheit ins Mittel treten lassen, welche durch die Ausgelassenheit derLibertiner und den Anblick der innern Streitigkeiten einer Republik,
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