Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
170
Einzelbild herunterladen
 

nicht einmal, daß du Etwas davon mit den Erbsen in den Topf sehest,daß du sie ohne Oel kochest, sondern du mußt deine Erbsen mit Salzund Wasser ohne etwas Anderes verzehren."

Damals war die Welt für den armen Arbeiter etwas ganz llnbe-bekanntes; so auch den Winzern des Wadtlandes, an die sich Mrelwandte. Wenn einer von ihnen die neuesten Schriften Luther S gekannthätte, würde er die Kanzel bestiegen und sich an den Prediger gewandthaben.

Meister Wilhelm," hätte er gesagt,habe kein so großes Mit-leid mit dem Schicksale der Schwachen, die dich um Brov oder eineHenne gebittct haben; sondern beweine vielmehr die flegelhaften Thü-ringer, von welchen geschrieben steht: in einen Baurcn gehört Haber-stroh; wenn er allzu laut schreit, laß die Kugeln pfeifen: hörst du,Meister Wilhelm?"

Ist es nicht znm erstaunen, daß die Bauern von Lausanne nacheinem solchen Ausruf zur Empörung ihre Priester und Herren nichtvertrieben haben? Wir erwarten einen blutigen Auftritt. Hören wiraber, welche Antwort die Bauern auf die Forderung der Reformationgaben:

Lutrp, Billette und St. Saphorin verbanden sich, um an ihremEultus, ihren Priestern, ihren Tempeln und Bildern festzuhalten. Da-mals war der Rath von Bern auf Mittel bedacht, dem Papstthumc einEnde zu machen. Ter Vogt von Lausanne durchzog, von Häschernund Dienern begleitet, die Felder, zerstörte die Kapellen, riß die Al-täre nieder und zernichtete die Kreuze. Am 2. November 1ö36 kamer nach Lutrv, unter dem Geschrei: Nieder mit den Papisten! SeineSoldaten hatten einem Christusbilde von Holz, welches schon seit Jahr-hunderten verehrt wurde, einen Strick um den Hals gehängt, obwohlder Gemcinderath den Bogt bat, er möchte das Zeichen unserer Erlö-sung verschonen, welches die Bewohner zu errichten gelobt hatten,....der Vogt hatte die Güte," sagt Nuchat,ihnen ihre Bitte zu ge-währen." o)

1) Iliiclint, t. 6., I>. 226. ,äeti>8 «In I:> «liiguito.

2) An. Joh. Rnhcl: De Wette. Bv. 11. S. 689. Menzel, B. I. S. 218.

3) 2188. clo Inilrv, ji. 67.

4) linclint. t. 6., >>. 334.

5) Die Intoleranz der Berner wurde von allen strenggläubigen Ncformirten zugege-ben. Herr Druen, Mitglied des Canton Waadt sagt: Wen» man die Kirchen-vcrordnungen vom Jahre 1758 öffnet, welche eine Sammlung aller Rescriptc um-fassen, die'von der Berner Verwaltung seit dem Jahre 1536 in Bezug auf religiöseGegenstände erlassen wurden, so sieht man, daß Alles, was die Religion betrifft,von der weltlichen Verwaltung ausgestellt und angcordnct worden ist." Rechcn-schastsbcricht der Verhandlungen des Großraths im önhrc 1839, S. 7.