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Rechte Doctor, Canonicus der Kathedrale von Lausanne, Herr GerhardGrand, der Rechte Doctor und Stadtrath.
Bern hatte an den Thüren aller katholischen Kirchen des Cantonsden Befehl anschlagen lassen, daß die Geistlichen dem Dispute bei-wohnen müßten, wenn sie nicht an Geld oder mit dem Banne bestraftwerden wollten.
Vor allem beeilten sich die Kirchen, welche unter der Berner Ho-heit standen, ihre Statuen zu verbergen, ihre Kelche, die heiligen Ge-fäße und den gottesdienstlichen Qrnat in Sicherheit zu bringen; sosehr fürchtete man die Beleivigungen der Reformirten, welche herbei-kamen, um dieser Versammlung bcizuwohnen.
Farel hatte in lateinischer unv französischer Sprache zehn Thesenaufgesetzt, die er mit Beihilfe Viret's, Calvin's und Caroli's, welcherDoctor der Theologie und früher Prior der Sorbonne war, vertheidi-gen wollte.
Die katholischen Doctoren, welche sich freiwillig anerboten hatten,den Prädicanten zu antworten, waren Männer, die als Theologen inkeinem großen Ansehen standen: Michod, Decan von Vevey, FerdinandLoys, Erzieher der Jugend von Lausanne, Drogy Vicar von Morges,Mimard, ein gewandter Scholastiker, und der Arzt Blancherose, welcherbeinahe die ganze Last des Disputs trug.
Wenn die Domherren aufgefordert wurden, schwiegen sie entwederstill, oder sie beriefen sich auf ein Concilium.
„Wir glauben wohl," rief Viret aus, „wenn man euch Zeit läßt,das Geld zu nehmen und euern Bauch anzufüllen, bis^das Conciliumkommt, so werdet ihr nicht unzufrieden sein."
Man kann sich keinen Begriff machen von der Gemeinheit derBeweisgründe, welche die Reformirten anwandten: kein Schüler hat sichdazu herabgelassen, dieselben zu sammeln.
Der katholische Gelehrte vertheidigte das Primat des Papstes: erhatte das Wort ausgesprochen „heiliger Stuhl:" dieser sogar in derWelt geheiligte Ausdruck ist für Viret eine günstige Veranlassung.
„Der Papst kann weder die Gewalt noch die Autorität des heili-gen Petrus haben," rief er aus, „denn er übt nicht dasselbe Amt,welches Petrus übte. Um zu thun, wie St. Petrus thut, müßte er daund dort in der Welt herumziehen, um für das Heil der Seelen zusorgen, um das Evangelium zu verkünden, Wik Jesus und seine Apo-
ll kuellst t. 8.
2) Hiss. Ne I.missnne, p. 515,
3) ^Vctes, p. 25.