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1 (1843)
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Calvin hatte Farel wohl nicht durchschaut.

Am Montage nach dem Tage des heiligen Georgius, im Jahre1527 schrieb Zwingli an Fr. Kolb in Bern:

Mein Lieber, gehe mit Ruhe an dein Geschäft und übereile dichnicht zu sehr. Zuerst wirf dem Bären eine einzige herbe Birne unterdie milden, dann zwei, dann drei; wenn er sie verzehrt, wirf ihm dieHände voll hin, herbe und milde. Wenn dich geschehen ist, so leeredeinen Sack und streue ihm herbe Birnen, milde Birnen, gesunde Bir-nen, verdorbne Birnen. Du wirst sehen, er frißt und verschlingt sie.

Farel hatte dem Bären von Genf allzu viel herbe Birnen vor-geworfen; der Bär hatte es bemerkt und brummte, als glücklicher WeiseCalvin erschien, um ihm herbe und milde Birnen vorzuwersen.

Die Birne und der Bär spielen eine große Rolle in der Geschichteder Reformation. Das Auge des eifrig eingenommenen Geschichtschrei-bers sähe lieber zum Himmel auf, als in die Tiefe hinab, um weltlicheEreignisse zu erklären, Veränderungen in den Lehren, Umgestaltungender Symbolik, wobei der Satan eine wichtigere Nolle spielte als JesusChristus.

Wenn Farel allein in Genf geblieben wäre, würden sich die Bür-ger bald dem schwärmerischen Despotismus ihres Apostels überlassenhaben, seiner schauerlichen Unduldsamkeit und seinen wüthenden Launen.Calvin kam ihm zu Hilfe. Vielleicht verstand es der Schüler vonNoyon, sagt ein reformirtcr Geschichtschreiber, das Verlangen geschicktzu verbergen, welches er hatte, in Genf zu bleiben;^) dann wäre dieBeschwörung eine reine Comödie gewesen.

Man muß sich diese zwei Naturen wohl verständlich machen. Siesind beide unter Frankreichs Sonne geboren, und doch so verschieden.Der im Süden geborne Farel ist feurig, reizbar, überlpannt, aber esbedarf nur eines Schlafes, um seinen Zorn zu besänftigen; er bewahrtnichts in seinem Herzen, sondern ist vergeßlich wie alle heftigen Tem-peramente: Calvin, der Sohn des Nordens, kommt selten in Auf-regung, er bedenkt seinen Groll, erberechnet seine Heftigkeit; kein Augedurchforscht ihn, als das Auge Gottes allein; nachdem er dem Herrnin seinem Abendgebete gesagt hat: Vergib uns unsere Schulden, wieauch wir vergeben unfern Schuldigem, setzte er sich ruhig nieder undschrieb einige Zeilen an seinem Pamphlete:Vs punwnckis lEi-stiois:"

1) Tsckudi MScpt. bei Roiffelet de Sauclicres: Hiswire c!» IwotestantiiMy enI'rance.

L) Orogorio Iwti: Ilistoria Oiuevrma, V. 3, p. 40,