Farel, der sich in die Lippen brummte, „man muß Gott eher gehorchen,als den Menschen," als die Lanze eines katholischen Soldaten ihn we«gen seines Angriffes, den er in den Straßen von Aigle auf das aller-heiligste Sacrament des Altars machte, zu strafen drohte und welcherThränen vergoß über das Schicksal der armen Seelen, die von derQbrigkeit aus Paris verbannt wurden, weil sie sowohl die göttlichenals menschlichen Gesetze beschimpften, die im Lande geltend waren.
Jenes Formular war übrigens nicht die einzige Verletzung, welcheFarel an den Freiheiten der Stadt verübte.
Farel hatte eine Bande von Bilderstürmern aufgestellt, welche vonseinem Geiste erfüllt, allen Rosenkränzen, Medaillen, Crucifixen undBildern den Krieg erklärten. Saget diesen Vandalen nicht, daß diesesCrucifix ein Erbstück der Familie sei, daß diese Medaille ein Kunstwerksei, daß die geduldige Hand eines Mönchs Jahre aus die Bemalungeines Werkes verwendet habe; nennet ihm nicht den Namen einesFlorentiner Künstlers, wenn ihr diese Statue der heiligen Jungfrau,ein Werk von wundervoller Anmuth, retten wollt; berufet euch
nicht auf Erasmus, der die Materie mit so großer Beredsamkeit verthei-digte, welche das Genie des Bildhauers belebt hatte; wie-
derholet nicht die Worte, welche Luther von der Kanzel Wittenbergsgesprochen hat: Farel versteht nichts von Aesthetik, er begreift nicht,daß die Kunst ein Element der Bildung ist. Er gäbe kein Haar ausseinem ungekämmten Barte um eine heilige Jungfrau von Cimabue;an Erasmus bewundert er nichts, als das teuflische Lächeln über dieMönche; von Luther, seinem Vater, will er nichts nachahmen, als dieUnduldsamkeit gegen Andersdenkende. Als er durch die Thore Genfscintrat, las er den Spruch: „Lost tenebras sporo lueem,"
1) „Klein, von geringem Ansehen, bleicher und von der Sonne verbrannter Ge-sichtsfarbe, mit zwei oder drei Büscheln eines rothcn ungekämmten Bartes amKinne: so sah der Mann aus, welcher kam, um von den Straßen und PlätzenNeufchatels Besitz zu nehmen." Der Chronikschreibcr Nro. 9. S. 78.
2) „Vor der Reformation findet man den Wahlspruch der Republik Genf:„I'ost tenelwns spero luce-m:" Das Schreiben, in welchem Calvin berufenwurde, vom 22. October 1540, und Münzen, welche im Jahre 1581 geschla-gen wurden, zeigen diesen Wahlsprnch noch; es ergibt sich also, daß der neuereSpruch: „I'ost touedrus lux" erst nach dieser Zeit angenommen wurde.Zeneliier. OtnI. ruis. des?,Iss., p. 280. — Picot ist nicht dieser Ansicht.Er sagt: der Wahlspruch „post tenelirus lux," war schon zur Zeit der Bi-schöfe im Gebrauche, wie wan sich an verschiedenen Münzen und Siegeln ic.überzeugen kann, welche viel älter sind, als die Reformation; dadurch wirddie Meinung einiger Autoren widerlegt, welche annchmcn, der Spruch seiwegen der Reformation angenommen worden und man habe früher geschrieben:„I'ost tenetirss spero lueem," oder „post toneliras lucem," eine ArtVorahnung oder Begehren der Reformation." Hist, de Eenovo, t. 3, p. 415.