sie sehr erstaunt, weil sie fürchteten, cs könnte Menschenblut ver-gossen werden; sie machten den Versuch, die Sache gütlich beizulcgen,und um dieses zu bewirken, gingen zwei von ihnen den Ketzernentgegen, welche schwere Artillerie-Stücke halten. Einige sagten ihnen,daß sie nicht Blut vergießen, noch sich gegenseitig morden wollten,als Brüder und Kinder der Stadt und der Nachbarschaft; denn dießwäre eine allzu tadelhafte Schandthat.
Als die Ketzer einsahen, daß sie nicht mächtig genug wären, denguten Christen zu widerstehen, lösten sie sich auf und beruhigten sichbis auf einen andern Schlag.
Am Grünendonnerstage desselben Jahres versammelten sich wohlvier und zwanzig von diesen Juden mit mehreren Frauen in einemGarten, um das Abendmahl zu halten und das Osterlamm zu essen.Ein abscheulicher Mörder, der Jesus Christus darstellen sollte, wuschden Andern die Füße, und dann bissen sie, zum Zeichen des Friedensund der Eintracht Alle nach einander in einen Brocken Brod und Käs;die Christen lachten darüber.
Am vierten Mai, dem Sonntage Jubilate, versammelten sich dieKetzer aus dem Hauptplatze Molard. Andererseits versammeltensich auch die Christen bei der Halle und entfalteten ihre Banner, indemsie ausriefen: Wahrhaft gute Christen, versammelt euch hier und habtguten Muth, den heiligen Glauben aufrecht zu erhalten! Die Dom-herrn und die übrigen Geistlichen schaarten sich zuerst um die Fahne.
Einer der Domherren, ein großer Held des Glaubens, PetrusVerli HWerli), ein sehr erfahrener Mann, bewaffnete sich, unv hattenicht die Geduld, die andern Geistlichen zu erwarten, sondern ging voneinem glühenden Muthe durchdrungen, voran auf den Platz Molard,und rief in seinem Eifer:
Habt Muth gute Christen, laßt uns dieses Gesindels nicht schonenAber ach! er war betrogen und befand sich mitten unter seinen Fein-den, die ihn bei Seite in eine kleine Straße zogen, um ihn mehr miß-handeln zu können. Ein abscheulicher Verräther stieß ihm sein Schwerttief in den Leib, so daß er todt niedcrficl; gesegnet sei der Gott ge-weihte Märtyrer!
Die Frauen versammelten sich ihrerseits und sagten: wenn es ge-schieht, daß unsere Männer sich gegen diese Ungläubigen schlagen, wol-len wir auch kämpfen und ihre ketzerischen Weiber tödten. In dieserSchaar waren wohl siebenhundert Kinder von zwölf bis fünfzehn Jah-ren. Die Weiber trugen Steine in ihren Schürzen und der größte