Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
126
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Richter gestellt, nahm er seine frühem Geständnisse zurück. Er wurdein das Gefängniß des Bischofs zurückgesührt; als er auf die Foltergespannt werden sollte, ergriff er ein Messer und schnitt sich die Zungeab, Richter und Henker hatten nichts mehr zu thun.

Bonnivard entwarf damals einen kühnen Plan, er wollte Pecolatder Genfer-Gerichtsbarkeit entreißen, und die Angelegenheit vor denNichterstuhl des Erzbischofs von Vienne bringen. Der Erzbischof wurdevom Mitleid bewegt, als die beiden Brüder Pecolats sah, die ihmsein Gewand küßten; er gestattete ihnen, den Bischof von Genf inVienne vor Gericht zu laden. Wer wird aber die Vorladung erlassen?Bonnivard findet einen Eleriker welcher sich für zwei Thaler dieserAufgabe am folgenden Tage bei St. Petrus, wo der Herzog und derBischof die Messe hören sollten, unterzieht; als aber der Augenblickkam, fing der Eleriker zu zittern an und juchte sich zu flüchten. Bonni-vard zog einen Dolch aus seinem Gewände und hielt ihn ihm vor die Augen,während er ihn mit der Linken vor den Bischof stieß, und rief: Cle-riker thu deine Pflicht. Und der Eleriker hielt dem Prälaten dieAbschrift hin, die er küßte und stammelnd sprach: inliiliitur vobisprout in copia: Wir erwarteten einen andern Ausgang. Der Bischofhatte das Recht, Bouuivard, welcher seine Abtei von St. Victor wie-der sicher erreichte, sestzunehmen. Julius II. würde ihn gehenkt haben.

Johann von Savoyen, der durch verschiedene Gründe aufgefordertwar, sich nach Vienne zu begeben, hatte den Gehorsam verweigert,er wurde cxcommunicirt. Es war für den öiatholicismus der Gegen-stand eines großen Leits, daß ein Bischof vcrurtheilt wurde, dem dieVaterlandsfreunde keinen andern Vorwurf za machen hatten, als eineblinde Anhänglichkeit an das Haus Savoyen.

Die Ereigniße gehen Schlag auf Schlag. Eines Morgens wur-den bei der Brücke de l'Arve, zwei gcvierthcilte Leichname an Pfälegesteckt und auf Tonnen gepflanzt, welche sie hätten davon tragenmüssen, wenn die Aussetzung die gewöhnliche Zeit gedauert hätte. Eswaren die Ueberrcste zweier junger Leute, Navis und Blanchet,welche beive zur Partei Pecolats gehörten. Sie Wurden auf dem Wegedurch Piemont aufgefangen und gestanden, daß i sie den Plan gefaßthätten, sich von dem Herzoge loszumachen, den Bischof zu ermorden,und den Prior von St. Victor an seine Stelle zu setzen. Berthelierwar als Mitschuldiger angeklagt. Das Todesurtheil wurde durchein Gericht des Herzogs gefällt. Die Schuldigen konnten von Nie-manden gerichtet werden, als von dem Bischöfe. Die Vollziehungdes Urtheils fand auf fremden Boden statt: das waren Rechts-Ein-