Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
74
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offenkundig geworden, wo viel daran liegt, und es viel nutzt, wennsie belehrt werden und in der Kirche bleiben. Obwohl die Heftigkeitder Bösen im Zaume gehalten werden soll; bitte ich eure Majesiätdoch, daß sie sich nicht durch die strengsten Ansichten einiger Schriftenleiten lasse, dass sie dulde, was der Kirche gut und nützlich ist. Wasmich betrifft, so haben mir einige unordentliche Meinungen, wie dieje-nigen sind, welche die schönste und heiligste Ordnung der Kirche ver-derbt und zerrüttet haben, mißfallen, wie cs denn nichts gibt, wastheurer und schätzbarer ist, als diese Ordnung. Und weil ich weiß,daß ihr allen guten Leuten, welche sich mit denselben Wissenschaftenbeschäftigen, wie ich, gewogen seid, was ich sah, sobald ich die Briefeeuerer königlichen Majestät las: nehme ich Gott zum Zeugen, daß ichnach all meinen Kräften bemüht bin, zu bewirken, daß ich sogleichzu Euerer Majestät gehen könnte; denn es gibt nichts auf dieser Welt,was ich so sehr wünschen würde, als das, daß ich der Kirche einigeDienste leisten könnte, und daß sich meine geringen Fähigkeiten so weiterstrecken könnten. Ich habe einige gute Hoffnung geschöpft, als icherkannte, daß Euere königliche Majestät nichts so sehr wünsche, alsauf die allgemeine Förderung des Ruhmes Jesu Christi bedacht undbesorgt zu sein. Euere Majestät wird aber durch Voceus vernehmen,welche Hindernisse mich noch auf kurze Zeit zurückhalten, die zwar meineReise verzögerten, meinen Geist aber nie von seinem Bekenntniß,noch von seinen Entschlüßen oder der Vorliebe und dem Verlangenabbrachten, welches ich habe, die Uneinigkeiten in der Christenheitzu heben. Voceus wird euch Alles näher erklären; zum Schluffeempfehle ich mich Euerer Majestät und verspreche euch, daß ich meinUrtheil immer der Meinung der guten und gelehrten Männer, welchein der Kirche sind, vorstellen und darlegen werde. Christus wolleEuere Majestät blühend und gesund erhalten und wolle euch leitenzum allgemeinen Wohle der ganzen Welt, und zur Verherrlichung derEhre Gottes. Gegeben in Sachsen am 28. August 1535."

Diesem langen Briefe hatte Melanchthon eine lateinische Abhand-lung beigefügt, unter dem Titel:clv mocIersncli8 oontroversiis reli-Fionis »cl C-iIIos," in welcher er freimüthig die Suprematie desPapstes und die Nothwcndigkeit einer geistigen immer lebenden Auto-rität zur Verwaltung und Leitung der Kirche, bekannte.

Auf ein solches Gesrändniß hat cs den Anschein, als würde derkatholischen Welt der Friede geschenkt werden. Tic hohen Damenfreuten sich auf die Ankunft Melanchthons, der das Gewissen allunsrer Bischöfe in Bestürzung versetzen sollte. Ihr begünstigter Dichter