glühenden Rede, seines pindarischen Zornes, seiner Flammen undseines Donners mit dem Meister der Bergleute zum Ziele kommenkönnte, wie er es mit all den theologischen Zwergen gemacht hatte,die ihn nicht hatten anschauen können. Auf der Höhe des Bergeswar er dem Münzer im Blitze erschienen, aber dieser Blitz hatte seinenGegner nicht erschreckt, der es wagte ihm fest in's Angesicht zu schauen.Auch Münzers Rede war voll Feuer und er hatte sich ihrer auf einewunderbare Weise bedient, um die Bauern zum Aufstand zu erregen:diesimal war der Sieg dem Manne des Hammers geblieben. UndLuther, der mit ihm um jeden Preis ein Ende machen wollte, war ge-nöthigt, von dem Schwerte eines seiner Fürsten Gebrauch zu machen.Die Ueberreste, welche dem Leichenbegängnisse in Thüringen entronnenwaren, hatten sich in ein neues Land geflüchtet. Frankreich hatte sieausgenommen und die Propheten des Wiedertäuferthums angehört.
Diese Wiedertäufer verbreiteten aufrührerische Lehren. Sie träum-ten von einer Art Jerusalem, das aber wohl unterschieden werden mußvon dem Jerusalem der Juden; es war ein geistiges Jerusalem, ohneSchwert, ohne Soldaten, ohne bürgerliche Obrigkeit: eine vollkommeneStadt der Auserwählten. Ihre Lehre war vom Pelagianismus undArianismus angesteckt; in einigen Puncten stimmten sie mit den Katho-liken überein: in der Lehre von der Vorherbestimmung zum Beispiel,und in der Lehre von dem Verdienste der guten Werke. Einige vonihnen lehrten, die Seelen der Verstorbenen schlafen bis zum Tage desGerichts. Gegen diese „Schläfer" richtete Ealvin seinen Kampf.
Der Commentar über den Seneca ist eine philologische Arbeit,ein Buch aus der Zeit des Wiedererwachens der Wissenschaften, einerednerische Deklamation, durch welche sich Ealvin einen Platz unter denHumanisten verschaffen und allen Verehrern des Cicero, die in seinerZeit lebten, in gutem Latein schmeicheln wollte; und das war einegeschickte Weise um sich hervorzuthun. Die lateinische Sprache wardas Idiom der Kirche, Klöster, Eollegien, Universitäten und Parla-mente. Die „Pspchopannpchie" ist eiue religiöse Streitschrift, in wel-cher Ealvin den ersten Schmähschriftenschreiber Deutschlands zum Rivalenhatte; Luther nämlich. Es ist gewiß, daß Ealvin die Schriften kannte,welche der sächsische Mönch gegen Eck, Tetzel, Pricrias, Latomus unddie Sorbonnisten schrieb. Es ist zu loben, daß er nicht in einemsolchen Geiste zu streiten versuchte, wie sein Rivale stritt. Wenn ersich wie Luther der Carricatur hätte bedienen wollen, wäre er ohneZweifel unter ihrer Last erlegen. Die Witzeleien, Wortspiele undbeißenden Einfälle waren nicht für einen Geist seiner Art, dessen