Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
30
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von dem traurigen Zustande der Sitten reden mochte, welche nach seinerAngabe in Orleans und Bourges geherrscht haben soll, ehe Calvindahin gekommen sei. Diesem Dichter steht es mir seinen bedenklichenLiebschaften nicht zu, die Behauptungen aufzustellen, der Funke desGlaubens habe zu jener Zeit nur mehr in zwei oder drei Herzen ge-glüht, *) in jenem des Advokaten Daniel und des Nikolaus du Chemin;die Hoffnung auf Christus, unfern Erlöser, sei zu jener Zeit erloschen;sein Blut sei von den Sündern nicht mehr angerufen worden: daswaren Verleumdungen, wie sie von Luther verbreitet wurden, als erin Wittenberg auftrat, von Oekolampadius, als er nach Basel kam,von Zwingli in den Gebirgen der Schweiz, und von Bucer in Straß-burg. 2 ) Ueber eine solche Anschuldigung muß man erstaunen, wennman sie aus dem Munde eines jungen Schülers vernimmt, der dochbisweilen in die Cathedrale von Bourges gekommen sein mußte, undda gewiß die erhabenen Hymnen unserer alten Kirche hörte, in welchenman singt,ein einziges Tröpfchen des göttlichen Blutes kann die Welterretten!" Wo brachte denn damals Beza seine Zeit zu? Sollte diesepoetische Seele, als sie Straßburg besuchte, ihre Blicke nicht auf dasPortal des Münsters gerichtet haben, auf welches der Architect Ervinvon Steinbach jene schöne Allegorie in Stein hauen ließ? Zur Rechtenist eine Frau (die Kirche), die in einer Hand einen Kelch voll Hostien,in der andern ein Kreuz hält; über ihrem Haupte steht in Form einerStrahlenkrone die Inschrift:

Mit Christi Blut überwind ich dich."

Zur Linken ist eine Frau, die ihre Augen noch verschlossen halt(die Synagoge), sie hält in einer Hand einen abgebrochenen Pfeil,in der andern die zerbrochenen Gesetztafeln Moses, und um ihr Hauptstehen die Worte

Dasselbig Blut verblendet mich."

Er ist also wohl nicht in den Tempel getreten? Er hätte auchauf einem Flügel des Tabernakels Priester sehen müssen, welche vordem allerheiligsten Sacramente knieen und sprechen:0 llosu czuiPU88U8 68 pro noI)i8 M>86ri8, mi8oro peoonkori innerere." 3)

Man wollte Beza mit Melanchthon vergleichen, zwei ganz ver-schiedene Naturen. Bei Beza hatte sich das Materielle poetisch gestal-tet; es beleidigte sein Ohr, wenn er einen hinkenden Vers, ein un-

11 Hisl. eccl68. I. 1., p. U. dec.

2) (lliristum L nobus primo vulgalum suckemus chorisri. Joh. Payyusin der Widerlegung des Zweibrückischen Berichts. S. 427, 428.

3) Osius Schadens. Beschreibung des Münsters, S. SV, 57.