Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
25
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alles kindliche Gefühl. Luther hatte nickt den herben Trost, seinenalten Vater sterben zu sehen. Fern von ihm vernimmt er, käst dieletzte Stunde des Bergmanns von Möhra gekommen sei; auch erschrieb damals an einen Freund, aber mit welch einer bitkern Trauer,mit welch einem brennenden Sckmerze!

Calvin verliest Noyon, um seine Studien in der Rechtswissensckaftsortzusetzen. Damals blühte zu Bourges ein Professor, zu dem man ausweiten Fernen kam, um ihn zu hören; ein Rechtsgelehrter, ein Theo-loge, Historiker unv Dichter; es war Alciati aus Mailand, der das ganzeBereick der Wissenschaften beherrschte, den wir schon kennen gelernthaben, und den Franz I. wegen seiner großen Berühmtheit nach Frank-reich berufen hatte. An den Universitätsstädten, die er besucht hatte,wurden ihm beinahe göttliche Ehren erwiesen. Calvin hörte und be-wunderte ihn. Alciati kannte Rom, wie es zur Zeit Jnstinians war,so genau, als ob er damals dort gelebt hätte: man glaubte einen An-walt der Via sacra zu hören, der gekommen sei, die Sitten, Gesetzeund Gebräuche des Latinerlandcs zu erklären. Wenn ihn ein Gedankelebhaft beschäftigte, brachte er ihn in Verse, damit seine Zuhörer ihnfür immer im Gerächmiste bewahrten. Als er eines Tages von Horazsprach, besang er ras Wappen res Dichters:

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Calvin war immer einer der Ersten in rer Vorlesung des Pro-fessors, er stanv immer hart am Katheder, hörte mit offenem Mundeund unbeweglichem Blicke, in einer Art himmlischer Verzückumg, aus dieRede Alciati's. Wenn der Schüler in seine kleine Kammer zurückkam,beeilte er sich, all das Schöne aufzuschreiben, was er gehört batte.Erschrieb und studirte sogar in der Nacht, und um dieses thun zu können,ast er am Abende nur sehr wenig; sobald er am Morgen erwachte, Hielter sich noch einige Zeit in seinem Bette auf, und überdachte Alles, waser am Abende zuvor gelernt hatte." So bereicherte er sein Ge-

lsl)uj omnium ckoctrirmrum »rttem utinolvit." Dieses Epitaphium Alciati ssteht auf dem Grabe des großen Recbtsgelehrten in der Kirche des heiligenEpivhanins in Paris.

2) Lers.