655
Das Alter kann zurück zur Kindesnnschuld kehren,
Nur soweit nicht nm auch des Kleides zn entbehren.
Auch Kindescinfalt des Gedankens liebt Bekleidung,
Denn erst das Kleid gibt ihm amnnth'gc Unterscheidung,
Man halt znm Wcrktagklcid sich an die Landesart,
Die Lnsiverkleidnng bleibt dem Festtag aufgespart.
Man mag Bekanntes gern in fremder Hülle sehn,
Weil cs zugleich so fern und nahe scheint zu stehn.
Drum liebt der Schönheit Glanz viel wechselnde Gewände,Weil keins allein ihn ganz zu fassen ist im Stande,
Durch andres Kleid erhalt der Leib auch andre Haltung,lind jede neue Falt' ist neuer Reiz' Entfaltung,
Das Fremde nur ist schön, das Fremde nur gefällt,
Das eigenthümlich dar ein Allgemeines stellt,
«
Wo dem Besonder» fehlt und Fremden diese Spur,
Das meid' als sonderbar und als befremdlich nur.
6 ,
Wo der Gedanke fehlt, die unverwandte RichtungAuf hochgestecktes Ziel, da ist ein Tand die Dichtung,
Das Fantasienspiel der Kindermärchcnlicder
Ist mit der Kindheit hin, und Niemand bringt sie wieder.
Statt Ammenkinderfran sei nun ErzicherinnDie Muse dem Geschlecht zn liöhcrm Lebenssinn,
Hinfort genügt nicht mehr anmnthig Klingendes,
Nur Himmelringcndes, Geschickbezwingcndes,