Druckschrift 
Die Weisheit des Brahmanen : ein Lehrgedicht
Entstehung
Seite
648
Einzelbild herunterladen
 

648

Noch ist des Löwen Kraft in Rachen, Latz' nnd Schweif,Doch nene Wissenschaft wird stets im Menschen reif.

Und so bleibt die Natur wie Adler selbst nnd LeneDie alte, doch der Mensch der immer jung' nnd nene.

Und immer mehr und mehr wird er Sieg abgewinnenDer Widersacherin, die ihm nicht kann entrinnen.

37 .

Wenn Freiheit du begehrst, des Menschen höchste Zierde,Herrsch' über Leidenschaft und Neigung nnd Begierde,

Doch bilde dir nicht viel ans diese Herrschaft ein;

Des freien Willens Stolz ist Gott gehorsam sein.

38 .

Gleichwie das Höchste nicht ist in der Kunst zu nennenNachahmung dessen, was die Sinne Schöns erkennen:

So kann Nachahmung auch des Guten in der ZeitNicht sein das oberste Gesetz der Sittlichkeit,

Es muß, gleichwie es ein Urschönes gibt, so gebenAuch ein Urgutes, Kind! das mußt du selber leben.

39 ,

Viel Worte hast du, Sohn, das Kind nur einen Schrei,

Nur einen, der ihm muß ansdrücken vielerlei,

Lust, Unlust, Hunger, Durst, Begier nach Schlaf nnd Spiel:Es hat beisammen, was dir auseinander fiel.

Entfaltetes läßt sich nicht mehr znsammenfalten;

Du lerne reicher stets die Fülle zu gestalten.