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Die Weisheit des Brahmanen : ein Lehrgedicht
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Die junge Knospe ward genagt von keinem Wurm,

Und ihre volle Krön' entblätterte kein Sturm.

Noch nicht gebunden war an Arbeit der Genuß,

Und nicht der Freude nach schlich heimlich Neberdrnß.

Zn Trauben war kein Rausch, noch an der Lieb' ein Dorn,

Im Auge keine Thrän' und in der Brust kein Zorn.

Da hatte Echo's Ohr noch keine Klag' empfangen,

Und spiegeln sah der See nur Lächeln ans den Wangen.

Am Himmel Sonn' und Thau, nicht Wolk' und UngcwitterNicht giftig war die Schlang' und Wcrinuth noch nicht bitter.

Da mußten Vögel noch nicht wandern, um zu brüten,

Und Bäume für die Frucht nicht opfern ihre Blüten.

Nicht Neid noch Eifersucht, nicht Haß noch Zwietracht fandIn einem Herzen Raum, das sich voll Glück empfand.

Sie waren alle gleich und sahn mit WohlgefallenZn fremdem Glück ihr Bild, und liebte» sich in allen.

Um Güter war kein Streit, sie waren allgemein,

Nicht Ich und Du entzweit, und gleichviel Mein und Dein.

Zn sich verständlich klar, empfunden, nicht erdacht,

Am Liebestatisch von Welt und Sinn hervvrgcbracht,

Verständnis ihrer selbst, Verständnis der Natur,

War ihrer Sprache Schall, ein Loblied Gottes nur.

So war ihr Leben, doch ihr Tod war schöner noch,

Durch den die Blüt' am Baum des Lebens aufgieng hoch.

Von höherm Dasein nicht ein mattes dunkles Ahnen,

Es waren klar geschaut lichtanfgcthane Bahnen;

Kein Schweben zwischen Furcht und Glauben, Wahn und Hoffen,Die sel'ge Zukunft lag dem Geist zum Eintritt offen.

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