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Die Weisheit des Brahmanen : ein Lehrgedicht
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In Gott, wo alles ruht, wo einst die Zeit geruht,

Eh' in des Raumes Bett hervorbrach ihre Flut.

Und wo in Gott dich senkt Entzückung oder Traum,

Da steht dir still die Zeit, und gibt dich frei der Raum.

22 .

Gott ist das höchste Gut. Das sagt der Sprache Wort,Das sagt auch die Vernunft sich selber fort und fort.

Gott ist das höchste Gut. Wenn Ursprung nun genommenVon Gott die Welt, wo ist ihr Böses hergckommen?

Ist Böses nur ein Schein, und alles gut allein?

Das innerste Gefühl im Busen sagt dir Nein.

Was ist das Böse denn? Es ist der innre Streit,

Die Doppelheit der Welt, die sic mit Gott entzweit.

Wol ist, was ist, in Gott, sonst war' es nicht vorhanden ^Doch ist's auch außer ihm, sonst war' es nicht entstanden.

Sofern in Gott es ruht, ist alles Leben gut,

Und bös' ist alles, was es für sich selber thut.

O komm, uns und die Welt zu machen frei vom Bösen,Laß uns in Gottgcsiihl den Sinn der Welt anflösen!

23 .

Laß uns im Augenblick ein Gottesbild aufrichten,

Um es im Augenblick im nächsten zu vernichten.

Denn jedes Bild ist falsch, das bleiben will und dauern,Und jedes wahr, das hin vorm Urbild sinkt mit Schauern.

Dort seh' ich anfgethan den ew'gen Vatcrschoß,

Dem alles Größte klein und Kleinstes auch ist groß.

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