381
Und wenn kein Wort, doch ein Gedanke schön und wahr,Der dir die Seele mach' und rings die Schöpfung klar.
Nichts anders kann erfrenn den Menschen und erheben,Wie diese Zeugnisse von eignem höhcrm Leben,
Und was das Glück von Lohn ihn: zu von außen spült.Erfreut ihn nur, wenn er sich dessen würdig fühlt.
106,
Du trügest, daß der Freund verreist war, ohne Klagen;Nun er gestorben ist, scheint es dir nicht zu tragen.
So denke doch, er sei verreiset immerfort,
Und tröste wieder dich des Wiedersehns wie dort.
Und ist er nicht verreist? Zwar kommt er nie zurück,
Du aber kommst ihm nach und findest ihn im Glück,
l07,
Gelegenheitsgedicht ist zu verachten nicht,
Das der Gelegenheit Bedeutung recht ausspricht.
Genügt es nur dem Tag, so ist es schon zu loben,Doch für die Ewigkeit wird es nicht aufgehoben.
Nur wenn es Ewiges im Zeitlichen enthält.
Ist heut es für das Fest und morgen für die Welt,
108,
Der Bücher sind zu viel, um noch so viel zu gelten ;
Denn wohlfeil ist die Meng', und theucr nur was selten.
Mit ihnen ist's wie mit den Menschen selbst gcthan;
Den, der mit vielen lebt, gehn wenig näher an.