320
72 ,
Den höchsten Mcnschensinn, das Augenlicht, zn missen,Gesungen wohnend in beständigen Finsternissen,
Ist doch, Erfahrung spricht, das höchste Unglück nicht,
Weil inneres ersetzt das äußerliche Licht,
Der Blindgewordcuc sicht in Erinnerungen,
Der Blindgeborene wird doch vom Licht durchdrungen;
Dolmetschen kannst du ihm den Stral, der ihn berührt,Daß der ein geistig Bild der Welt in ihm anfführt.
Im Worte wird ihm kund die Weisheit aller Weisen,
Er kann mit Dichtcrmnnd die Wunder Gottes preisen.
Doch diesen andern Sinn zn missen, den im Ohr,Entbehrend ewige» Weltharmoniccnchor;
Verlust, der schwerer schien, ersetzen kann auch ihnThcilnahme doch der anschanbarcn Harmonien,
Des Menschen Auge spricht dir und des Frühlings Trift,Die Sprache spricht dir selbst in ihrem Bild, der Schrift,
Dem Tanbgcborncn auch, und darum stumm geboren,
Ist alle Fähigkeit der Bildung nicht verloren,
Znm Handeln kannst du ihn, zum Denken auch erzieh»:Gewis znm Dichter nur erziehst du niemals ihn.
Wer aber blind und taub zugleich ist nranfänglich,
Der höher» Menschheit scheint er Menschen unempfänglich,
Gott, der ihn so gemacht, empfänglich wird er machenIhn anS der Doppelnacht hier oder dort erwachen,
Wer blind und taub nur ward, kann fort das Feuer schürenIm Innern, »rag man auch nach außen cs nicht spüren,