Druckschrift 
Die Weisheit des Brahmanen : ein Lehrgedicht
Entstehung
Seite
50
Einzelbild herunterladen
 

50

Der Bogen aber spielt in einem zweiten dann,

Worin der bunte Schmelz in mattes Gran zerrann.

Der Regenbogen nicht, vom Regenbogen mirBist du der Nebcnglanz, die halberloschne Spur,

O Mensch, in des Gemnth sich Lieb' nnd Hochmnth gatten,

Dn bist zwar Licht vom Licht, doch Schatten mir vom Schatten.

24 ,

Der Mond rollt »in die Erd', nnd um die Sonne sie.

Und die um höhere Sonn', nnd nm noch höhere die.

Und immer weiter so, nnd immer weiter nur?

In der Unendlichkeit verliert der Geist die Spur,

Unendlich sei die Kraft, unendlich sei das Leben,

Doch nicht unendlich sei der Raum deswegen eben.

Was war' Unendlichkeit die äußerliche so?

Der innerlichen nur des Geistes bin ich froh,

Jenscit der Körperwelt muß eine Lichtwelt stehn,

Aus der sic nicdersank, in die sie ans will gehn.

Die Sonnen leuchten nicht von ihrem eignen Lichte,

Sie leuchten von dem Licht ans Gottes Angesichte,

Licht ist das geistige Kleid, das diese Welt umfließt,

Das sich an jedes Glied des großen Leibes schließt.

Dis geistige Netz, gewebt ans Gottes Liebesblicken,

Will immer brünstiger die Körperwclt umstricken.

Und jedes Glied schließt an ein höheres sich an,

Durch dessen Zug cs will gezogen sein hinan.

Zu Sonnen werden, die sich stark im Licht verklären,

Von deren Ausfluß dann die schwächeren sich nähren.