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Die Weisheit des Brahmanen : ein Lehrgedicht
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Zieh einen weitsten Kreis nnd ruck' ihn weit ins Ferne,

Sogleich erscheint er dir als Pnnkt, gleich jedem Sterne.

Setz' einen kleinsten Pnnkt, ob unsichtbar er wäre,

Brauch' ein Bcrgrößrnngsglas, nnd er erwächst zur Sfäre,

Ins Wasser wirf den Stein, nnd sich, wie sich erweiternAns Kreisen Kreise, mn im weitesten zu scheitern.

Eins ob der Kreis zerfloß, Eins ob er nie entstand,

Denn Eins ist Alles, wenn der Schein der Zweiheit schwand.

Die Zwei ist Zweifel, Zwist, ist Zwietracht, Zwiespalt, Zwitter;Die Zwei ist Zwillingsfrncht am Zweige süß nnd bitter.

Wenn Zwietracht Eintracht wird nnd Einfalt das Zwicfalte,Dann wird der Schaden heil am alten Wcltzwiespalte.

26 .

Banmeisterin Natnr scheint für sich selbst zumeistZn bann, nnd baut zuletzt doch alles für den Geist.

Der schrankenlose Geist ist darum nur gefangenIn Schranken, mn darin zur Freiheit zu gelangen.

Ein Säugling ist der Geist, Natnr ist seine Amme,

Sie nährt ihn, bis er fühlt, daß er von ihr nickt stamme.

Die dunkle Mutter will ihr Kind in Schlummer Halten ;Bon oben bricht ein Stral durch ihres Hauses Spalten.

Nnd wie der Schmetterling erwacht vom Pnppentramn,Schwingt der Gedanke frei sich über Zeit nnd Raum.

Wie, wann die Frucht ist reif, von selbst die Kapsel springt,Nnd bin der Same fliegt, von Himmclslnft beschwingt.

Wie der Brütmnttcr Huhn die Entenbrut entrannNnd ans die Flut sich wagt, wo sie nicht folgen kann.

Nückerl, Lcl'rgcdick't. 2