334
Kapitel XXXIX.
Pflanzen stammten aus Ueberleitung (ex traänetloirs) von den Eltern,indem sie von diesen Partikeln erhielten. Aber ein Theilen ist beieiner Seele nicht möglich. Im Keime liegt die Kraft (der Seele)
„Die vegetabile, sensible und intellektuelle Seele sind Eine Sub-stanz mit natürlichen Eigenschaften."
„Die Seelen, welche nur in Körperorganen wirken (vegetative undsensible), dauern nicht fort, sondern müssen mit dem Körper untergehcn,nicht aber die intellektuelle Seele."
Bei der Lehre von der sensiblen Kraft schildert Albertus die ein-zelnen Sinne und Sinneserscheinnngcn 2) und sagt unter Anderem:„Die Phantasie steht zwischen dem Gedächtniß, in welchem die Inten-tionen, und der Einbildungskraft, in welcher die durch einen Sinnanfgcnommenen Formen sich befinden, gebraucht beide, indem sie ihreObjekte verbindet und trennt; sie wirkt im Träumen und beimWachen."
„Das Mittel aller Sinne ist der Gemeinsinn; er liegt im Vorder-hirn, wo die Sinnesnervcn zusammenlaufcn. Im ersten Theil des Mit-telhirns ruht die Urtheilskraft; im hintern Theil des Gehirns, wo dieBewegungsnerven entstehen, rnht das Gedächtniß. Wenn dieser Theilbei den Thicren verletzt wird, verlieren sie das Gedächtniß. Die Phan-tasie wohnt in der Mitte des Mittelhirns. Fehlt das bei einem Thiere,kann es sich nimmer leiten, es wird wüthend ^)."
„Die Leute, welche eine gute Imagination haben, passen zu Ma-thematikern, weil sie die Figuren gut behalten können; wenn solcheMenschen sich vom Sinnlichen entfernen, als Einsiedler leben und sichvon des Fleisches Pflege und körperlichen Genüssen fern halten, wer-den sie Propheten, weil dann diese Sinnendinge den Einfluß des Himm-lischen nicht hindern."
„Daß die Menschen immer auf andere Weise und Verschiedenesbauen, während die Thiere (Schwalben, Ameisen) sich immer hieringleich bleiben, erklärt sich so: Jene handeln mit Vernunft (cum rn-tione), diese werden von Natur vielmehr getrieben; jene haben zurPhantasie hinzu noch die Vernunft, diese nicht. Daher sind die Werkeder Phantasie bei allen Unvernünftigen dieselben; wegen der Vernunftsind sie aber bei den Menschen mannigfaltig."
„In der Uebersetzung des Aristoteles ist ein Fehler; denn dort
1) Oe nnimn p. 38.
2) DaS Licht nennt er lanium ^nnlitas luminosi corporis.
3) Oe aminn p. Ilti. Also Phrenologie und Kranioscopie!