Druckschrift 
Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
Seite
209
Einzelbild herunterladen
 

Der sel. Albertus visitirt noch Klöster und weiht Kirchen. 209

beigelcgt werden, in Umlauf sind. Wir können natürlich die Aechthcitder einzelnen nicht verbürgen'); aber sie sind dem Geiste Alberts ent-sprechend und können ganz wohl als Reliquien des großen Mannesbetrachtet werden. Da sie wenigstens den Namen des Albertus tragen,so können sie hier jedenfalls nicht übergangen werden.

Einst sagte Albertus:Ein Ei, um Gottes willen gegeben, solange der Mensch lebt, ist ihm nützlicher zu dem ewigen Leben, alsein ganzes Münster voll Gold, welches er nach seinem Tode gibt."Er sprach weiter:Wäre Alles, was Gott schuf, in eines MenschenBesitz und er gäbe cs Alles bei seinem Tode um Gottes willen her,so wäre ihm das zu dem ewigen Lohne nicht so nütze, als ein Almo-sen, welches er um Gottes willen bei Leibes Leben gibt."

Ein andermal sagte er:Wenn wir denen vergeben, die uns anLeib, Gut oder Ehre schadeten, das ist uns inehr nütze, als wenn wirüber Meer gingen und uns in das heilige Grab legten.

Ebenso sprach er:Wenn wir Lieb und Leid in rechter Dcmuthvon Gottes Hand empfangen und beides als Gottes Gabe erkennen,so ist uns das mehr nütze, als wenn wir alle Tage einen Wagen vollBirkenrciser auf unserm Rücken zerschlügen."

Einst sagte er also:Wollte ich nach gelehrten Geistlichen fragen,so ginge ich nach Paris; wollte ich aber nach den Geheimnissen Got-tes fragen, so fragte ich bei dem ärmsten Menschen an, der mit Willenarm wäre und fragte ihn über die Geheimnisse Gottes. Wir müssengerne das Niedrigste tauschen gegen das Höchste und das muß seyn,das hat uns Christus an dem Jüngling gezeigt, zu dem er sprach:Willst du vollkommen werden, so verkaufe Alles, was du hast, gib esden Armen und folge mir nach."

Einst kam Bruder Albertus in ein Frauenkloster seines Ordens,da baten ihn die Schwestern, er möge ihnen ein heilsames Wort sagen.

1) Jvh. Laicus, selbst ein Kölner, führt sie an in seinem Schatzkästlein S. 132.Es sind diese Sprüche übrigens nnr Fragmente der gemalten sogenannten Alberti-tafeln (17. Jahrhundert), die im Salzburger Gebirgsland noch in den Vorhallen derKirchen gefunden werden, wie wir oben gesagt. In Mitte derselben erscheint Alber-tus im Momente der Elevation; rechts von ihm sind sieben kleinere Genre-Bilderund ebensoviele links; sie stellen die Gegensätze der Vollkommenheit dar, die im Textegenannt werden. Albert erhält also gleichsam hierüber von Christus selbst Aufschluß.Leider ist mir der Inhalt nicht vollständig im GeLächtniß. Die k. Staatsbibliothekzu München besitzt drei Handschriften aus St. Emmeran, die jene Sprüche enthalten,Nr. 513, 746 n. 835, kol. 321, 308, 136.

2) D- h-: Wir müssen bereit seyn, das Niedrigste, d. i- die Güter der Welt,hinzugeben gegen das Höchste, d. i. Gott und seine Weisheit.

Sighart. Albert d. Große.

14