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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
Seite
176
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pheten') und zur Apocalypse^) in diese spätere Lebenszeit ver-legen, so können wir dafür kein äußeres oder inneres Zengniß anfüh-ren, sondern nur die allgemeine Versicherung der Biographen, daßAlbertus mit dem fortschreitenden Lebensalter immer mehr der göttlichenWissenschaft sich ausschließlich zngcwandt, baß die Betrachtung derheiligen Schriften in immer zunehmendem Maße die Nahrung seinesGeistes gewesen. Was ist daher wahrscheinlicher, als daß der ehrwür-dige Greis die Früchte dieser täglichen Studien über die heil. Bücherseinen Ordensgenossen in Vorträgen mitgethcilt habe, und daß ans solcheWeise jene biblischen Kommentare entstanden sind? Haben diese exe-getischen Bücher auch nicht den Umfang der früheren, und hält sich derErklärer auch größtentheils an die Deutung des heiligen Hieronymus,in der Apocalypse an Haimon, so sind sie doch noch laute Zeugnissevon dem nnermüdctcn Flciße, der tiefen Gelehrsamkeit und der nichtabnehmenden Geistesfrische unsers seligen Lehrers.

Ans den noch immer einladenden Fluren dieser ernsten Schriftenwollen wir nur einige Gcdankenblüthcn abpflücken, um sie als Blätterder Erinnerung auszubewahren. Bei Jeremias (IV) erklärt Albertusdie Lamien^), indem er sagt, sie seien Wesen, welche den Leib derMütter aufreißen und die Ungebvrnen verzehren. Er scheint sie alsofür eine Art von Wehrwölfen zu halten und steigert so den Gegensatzder biblischen Schilderung: Wesen, welche so grausam sind, daß sicselbst das Ungeborne verfolgen und vertilgen, geben doch ihren Jun-gen Nahrung; aber die Mütter von Jerusalem lassen ihre Kinder,weil selbst ohne Nahrung, auf der Strasse verschmachten! Des Pro-pheten Daniel Prophetien vergleicht Albertus nach Hieronymus miteiner Krypta unsrer alten Kirchen; Alles ist dunkel, wenn wir hineintreten.Hier thut er auch den von heiliger Entschiedenheit zeugenden Ansspruch:Wegen des Gebells der Neider darf man von einem guten Werkenicht ablassen! Wo der Prophet erzählt, der König habe nur Knabenzu seinem Dienst erwählt, die fehlerlos waren, erklärt Albertus,darum verlange auch der König der Könige, daß nur solche, die ohneMackel an Leib und Seele sind, znm Priesterthume zngclasscn würden.

Die berühmte Vision von jener Statue, aus verschiedenen Metallengebildet, deutet auch Albertus als Prophetie der vier Weltreiche, des

1) Bd. vm.

2) Bd. XI.

3) Sonst übersetzt mit: Seeungeheuer.