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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
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Kapitel XII.

und daß besonders die Ordensgenossen ihm noch einen weitern Kreisder Wirksamkeit crössncten. Im Jahre 1254 ') wurde das Provinzial-kapitel des Dominikanerordens zu Worms abgchalten. In der Ucber-zeugung, Niemand sei würdiger des Vorsitzes, wählten die versam-melten Prioren nnsern Albertus zum Provinzial des Ordens sürDeutschland. Welch ein reiches Feld der Thätigkeit erösfnete sichhier abermals dem großen Manne! Es galt ja, den geliebtenneuen Orden an hundert Stätten neu zu pflanzen, oder die neu-erblühcndcn Pflanzungen zu kräftigen durch Rath und That, sie zuerhalten in der Glut der ersten heiligen Liebe, sie zu bewahren vorden drohenden Schlangen des sittlichen Verderbens! Und die deutscheProvinz umfaßte damals bereits alle Länder von den Gränzen Ungarnsbis zu den Ausflüssen des Rheins, also Oestreich, Bayern, Schwaben,Elsaß, das Rheinland bis Geldern und Utrecht, dann Holland, See-land, Fricsland, Brabant und Flandern, dann wiederum Westphalen,Hessen, Sachsen, Thüringen, Meißen, Holstein, Schleswig und dieStädte in den Sümpfen, zu denen Lübeck gehört^). Also welch eingroßes Gebiet der Entfaltung war dem apostolischen Eifer des Albertuseröffnet! Seiner geliebten Zelle und dem stillen Betrieb der Wissen-schaft Lebewohl sagend, weil es der Gehorsam, Gottes Ruf, ver-langte, mußte er jetzt die dornenvolle Oberleitung so vieler Klösterund Mönche übernehmen. Und auch hier zeigte er sich als gutenHaushalter des Herrn und als wahren Hirten seiner Heerde. VorAllein ging er selbst voran in strenger Haltung der Gelübde des Or-dens, im Streben nach apostolischer Vollkommenheit. Obwohl bereitsim Alter vorgerückt, machte er doch alle Visttationsreisen zu Fuß, denWanderstab in der Hand. Kein Reisegeld trug er im Gürtel'), son-dern als treuer Liebhaber der evangelischen Armnth bettelte er mitseinen Brüdern, wenn cs nöthig war, den nvthwendigcn Lebcnsbedarfvon Thür zn Thür. Und es fehlte den Armen um Christi willen nieder gütige Helfers. Um auch diejenigen seiner Gefährten, welche dieArmnth weniger liebten, dazu anzuspornen, gab er ihnen überall dasglänzendste Beispiel. In den Klöstern, wo er sich aufhielt, schrieb er

1) Prusfia S. 202.

2) Rudolph nennt die letzteren'Städte die sumpfigen. Prusfia zählt dieselbenLänder auf S. 204.

3) Prusfia a. a. O. und Rudolph. Schuhe trug er, denn er zieht im Commentarzu Lukas gegen die Discalceaten zn Feld und nennt sie Häretiker.

4) Rudolph.