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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
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Kapitel XI.

mit Wasser gefüllt, die Oeffnungen werden verstopft, und dann stelltman es an das Feuer. Da entsteht Dampf im Gefäß, dieser nimmtimmer mehr an Stärke zu, dis er durch eine der Oeffnungen gewaltsamherausbricht und das Wasser weit über die umliegenden Dinge hinans-stößt. Oder wenn es unten herausdricht, schlendert es durch die Gewaltdes Dampfes Brände, Kohlen und heiße Asche weithin. Man heißtein solches Gefäß meistens Susflator (Blaser) und gibt ihm gewöhnlichdie Gestalt eines Menschen, der bläst Z."

Wir sehen also aus diesen Stellen, daß Albert wirklich solcheMenschcnfigurcn bei seinen physikalischen Studien und Vorträgen be-nützt habe. Die Sage, welche den hl. Thomas mit einem solchenAutomaten im Zimmer des Albertus Zusammentreffen läßt, ist alsokeineswegs so ganz ans der Luft gegriffen. Es ist nach diesen An-deutungen sogar sehr wahrscheinlich, daß Albert selbst eine solche Figur-gemacht hatte, die einige Schritte zu machen und das Wort Salve!zu sprechen vermochte. Durch das Anziehen des sie bedeckenden Vor-hangs kam vielleicht der ganze Mechanismus in Bewegung^), so daßwir uns die Sage so ziemlich als historisches Faktum zu denke» ver-mögen. Auch andre physikalische Versuche der Art schildert er in seinerNatnrgeschichte und redet von seltsamen Naturdingen, die er zum Ge-schenke bekommen und bei sich ausgestellt hatte.

Was endlich den Zanberbccher betrifft, von dem wir oben gleich-falls sprachen, so ist uns die Erklärung des Räthsels möglich, da der-selbe sich noch jetzt in der Wallraffischen Sammlung zu Köln befindet.Es ist ein gewöhnlicher Trinkbecher, dessen Boden ans zwei Metall-platten besteht, deren obere durchlöchert ist. Zwischen beide Platten warSpießglanz (Lirtürronimn) eingelegt. Wurde nun Wasser in den Bechereingegosscn, so löste sich vom Spicßglanz ein Theil langsam auf, unddas Getränk wirkte abführend. War aber Wein eingegosscn, so ging einemächtigere Auflösung vor sich, und der Trank reizte zum Erbrechen.So hatte Albertus also hier eine Universalmedicin, er konnte die beiden

1) Auch dieses Instrument hat sich !n unfern physikalischen Hvrsälcn und Kabi-ncteu erhalten. Man heißt es aber jetzt Xoolipit, weil man diese Wirkung früherdem Xcolns, dem Winde, zuschrieb.

2) Wir bemerken, daß der große Maler Leonardo da Binci eine ähnliche Vor-richtung in seinem Zimmer hatte. Es stellte einen kleinen Schlauch vor; durch Tre-ten eines Blasebalgs wuchs dieser aber so, daß er bald das ganze Zimmer erfüllte.Vgl. Vasari im Leben des Leonardo-