Der selige Albertus als Lehrer und Prediger in deutschen Städten. 33
nicht nachschreiben konnte, versteht sich von selbst, es waren nur Sitzeangebracht, keine Schreibbänke. Nur hie und da gab es einen Schnell-schreiber, der in einer Ecke die Vorträge des Lehrers nachzuschreibenim Stande war und die Erlaubniß hatte'). Die Uebrigen mußten dasVorgetragene sich bloß in's Gedächtniß prägen und durch Fragen, Re-petitionen und Disputationen, die sie unter einander hielten, die Sachesich klar machen und lebendig erhalten. Mancher schrieb zu Hause denGedankengang des Lehrers auf^). Man sieht aber, es war damalsnoch nicht die Zeit des allgemeinen Schreibens und der Schreibseligkeit,sondern der Unterricht beruhte noch größtentheils aus mündlicher Ueber-lieferung. In Mitte des Saales war aber die Kathedra des Magistersaufgeschlagen, von welcher herab er die Ströme der Wissenschaft sichergießen ließ. Dieser von Eichenholz gefertigte Lehrstuhl des Meisters ^bestand aber nach dem Zeugnisse des Regensburger Gestühles aus zweiTheilen, es war ein sieben Schuh tiefes Doppelgestühl für zwei Leh-rende zu gleicher Zeit. Da ist der rückwärts und höher gelegene Stuhlin die Mauer eiugefügt und hat eine Rückwand, die mit prachtvollstylifirten Pflanzenornamenten geschmückt ist. Der untere Stuhl hateine noch reicher gezierte Rückwand, indem hier die Ornamente denNamen Jesu umranken. Die Brustwehr aber zeigt das Bild eines Do-minikaners , der am Katheder stehend docirt. Was er sagt, enthüllt unsdas Spruchband, das ihn umgibt, es sind die Worte: Dürrste cksrrrrr st«tote ilü üoirorsrrr, grün vsirist üora srrckisü sjus. ^p>oo. 14. Aus einemzweiten Bande unterhalb steht der Name des Lehrers: Vincentius.Zur Seite ist noch ein lauschender Novize, der die Kapuze über dasHaupt gezogen, zu gewahren. Man sieht, es ist Vincentius Ferre-rius (1357 —1419), der große Doktor der Dialektik und Prediger desjüngsten Gerichtes, dessen Bild hier den Studierenden vor Augen ge-stellt ward. Ist nun auch, wie gesagt, das Schmuckwerk des Stuhlesvon späterer Zeit, und vielleicht das Gestühl selbst^), so wird unshier doch noch die Lehrweise der Zeit des Albertus klar. Auf einem
1) Echard erzählt, mehrere solche Schnellschriften von Studenten in der Biblio-thek der Sorbonne gesehen zu haben. 8eript. I. x. 164.
2) So der heil. Thomas die Erklärung des seligen Albertus über die Ethik des. Aristoteles.
3) Siehe die Abbildung im Anhang.
4) Es ist merkwürdig, daß kein alter Schriftsteller dieses Stuhls Erwähnungthut, während sie die andern Reliquien Alberts nennen. In Neapel zeigt man auchnoch einen Lehrstuhl des Thomas von Aquin nach Harry Hörtel.
Sighart, Albert d. Große.
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