Kapitel I.
Heimath, Geburt und Jugend des seligen Albertus.
L-^n den Ufern der oberen Donau waren ans den alten Römer-kastcllen, die den Anprall der hcranbrauscnden Völkcrwogen vom hin-sinkenden Römerrciche abzuhalten die Bcstinunnng hatten, bereits imersten Jahrtausend unsrer Zeitrechnung ansehnliche Städte hervorge-wachsen. Besonders zur Zeit der Alles verheerenden Raubzüge derUngarn hatte sich, was fliehen konnte, vom flachen Lande in dieseStädte hingeflüchtct, die durch Wall und Graben einigen Schutz botenvor der Wuth der wilden Horden. Später hatten sich meist dieseStädte durch Tüchtigkeit der Bewohner, durch Gewcrbsfleiß und Han-del zu hoher Blüthe, zu Wohlhäbigkcit und bedeutender Entfaltungaller Gebiete des Lebens erschwungen.
Unter diesen Orten nahm Lauingen im bayrischen Schwaben, zurDiöcese Augsburg gehörig, eine hervorragende Stelle ein. Sollenja schon in der Schlacht am Lechsclde die Bürger von Lauingcn tapfermitgekämpft haben Z. In dieses anmuthige Städtchen scheint in denfolgenden Zeiten auch eine edle Familie übergcsicdclt zu seyn, die bis-her in dem zwei Stunden entfernten Schlosse Bollstatt gehaust hatte.Ob diese Uebcrstedluug geschehen der größern Sicherheit willen, oderum die andern Vorthcile des Stadtlcbens zu genießen, oder in Folgeeines königlichen Amtes, womit die Familie bekleidet war, ist nichtentschieden. Doch sprechen die ältesten Angaben für das Letztere, in-dem sie den Vater des Albertus bald als Ritters, bald als könig-
1) Vgl. Sagenbuch der Städte Gundclsuigen, Lauingen, Dillingen, Höchstädt.Dillingen 1849. S. 23.
2) So Rudolph und Prusfia: karentca erant ex militari oräine.
Sighart, Albert d. Drohe. 1