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Ettisw »l.
Durch dm Graus der Mitternacht List du leuchtend vorgeschritten,Raubtest, weh, den Heilgen Leib aus der Waldcapelle Mitten;
Wild Gelächter ward vernommen, riesge Felsen wiedcrhalltcn,Höllenmasken, scheuslich grinsend, funkelten aus ihren Spalten.
Bäume schwankten auf und nieder, ächzend wie von Sturmes Zorne,Und die Hostie wirfst du zitternd in der grausen Wildniss Dorne.
Eine Rose silberhelle ist sogleich hervorgeschoßen, '
Hält mit sieben Stralenblättern fest das Heiligthum umschloßen.
Als der Nächte Graus verschwunden, goldne Tage stralend siegten,Vögel sich auf schwankem Zweige singend überm Abgrund wiegten,
Eine Schäfrin fährt zu Thal, schaut der Silberrose FunkelUnd sie spricht: „Fürwahr, ein Stern blieb in dieser Wildniss Dunkel."
Ihre treuen Schäflein zögern an den nahen Born zu gehen,
Neigen alle sich zur Erde, als so felgen Glanz sie sehen.
Aufgewacht vom Felsenlager kommt ein giergcr Wolf geschritten,Sicht der Gottcsblume Licht, legt sich in der Schäflein Mitten.
Und die Hirtin thut es kund, Volk und Priester eilt zur Stelle,Pflanzen diese Gottesblume auf den Altar der Capelle.
Helle Glocken, Preisgesänge, Hallen durch die Waldesstille,
Uebcr Land und Meere ziehen fromme Pilgrime die Fülle.
Ettiswyl nennt sich die Stätte, wo in dunkler WaldcapclleJene Gottesblumc blüht silbern mit des Mondes Helle.
Wer sie einmal nur ersah, den verläßt ihr Mondlicht nimmer,Sicher gebt er durch die Nacht um das Haupt den Heilgenschimmer.
Justinus Kerner.