Nidburg bei Sarg ans.
Der Feind, er sprach: „Du schwaches Weib,Du willst mir stellen seinen Leib,
Durch Schanzen, Thürmen, Waffen,
Willst heut ihn mir noch schaffen?"
So fragt er sie und MondenlichtScheint auf ihr bleiches Angesicht,
Ihr Auge flammt in Trübe,
Wild wie betrogne Liebe.
Da sprach der Feind: „Ich glaub, du kannst!Mit welchem Zauber du ihn bannst,
Mir gilt es gleich! komm führeDurch Thore mich und Thüre!"
Sic führet ihn, doch durch kein Thor,
Sie führet ihn den Berg emporZu einem Felscnzinken,
Dort sieht die Burg er winken.
Dort ragt sie mächtig in die Luft,
Dazwischen ist nur kleine Kluft,
Beleuchtet stehn vom SchimmerDes Mondes, Gang und Zimmer.
Und nah, ganz nah im Kämmerlein,
Da sieht er in des Mondes ScheinDen Feind von lauter SiegenErmattet schlafend liegen.
Von der entblößten Stirne heißRinnt noch der langen Arbeit Schweiß;
Viel alte Narben wiegetDie Brust, die offen lieget.
„Dort," spricht das Weib mit tiefer Wuth,„Ich kenne seine Kammer gut,
Ich kenne seinen Schlummer,
Den tiefen ohne Kummer.