S ch a f f h a u s e n.
435
Und als der Galgen gebanet war,Sechshundert Schauläden hinaus,
Von lauter Silber und EdelgesteinSteckt er darauf einen Strauß.
Und als die Frau Markgräfin das vernahm,Ihrem Knappen rief sie schnell:
„Mein Pferdchen sollst du mir satteln bald,Um den jung frischen Zimmergesell.
Und als ihr Pferdchen gesattelt war,
Gen Schaffhausen ritt sie schnell,
Da stieg die Leiter eben hinanDer jung frische Zimmergesell.
„Ihr Herren, kam die Frau MarkgräfinVor euer Bettchen zu stehn,
Würdet ihr sie halsen und küssen,
Oder würdet sie laßen gehn?
Sie sprachen: „Traf ich alleineDie junge Frau Markgräfin an,
Ich wollte sie halsen und küssenUnd wollte sie freundlich umfahn." —
„Wolltet ihr sie halsen und küssenUnd wolltet sie freundlich umfahn,
So hat auch der jung frische ZimmergellSo Arges nicht gethan." —
Da sprach der Markgraf selber wohl:
„Wir wollen ihn leben lohn:
Ist Keiner doch unter uns Allen hier,
Der dieß nicht hätte gethan."
Was zog er aus der Taschen?
Wohl hundert Goldkronen so roth:
„Geh mir, geh mir aus dem Land hinaus,Du findest wohl überall Brot."
19 *