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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
Entstehung
Seite
399
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Eckartobcrg bei Breisach.

„Mir steht nun nicht länger der Buben Greuel an.

So hoch will ich sic hängen, daß Niemand höher kann.

Mein Haus halt ich billig von ihrem Unflat rein.

Wohlauf nun, meine Helden, ihr ziebt mit mir an den Mein."

Als Eckart das erhörte, der ihm zur Seite saß,

Wes sich in seinem Zorne Herr Ermenrich vermaß,

Betäubt und erschrocken sprach aller Treue Kranz:

„Ihr armen Pflegesöhne, unschuldig weiß ich euch ganz.

„Ihr wollt Niemand höhnen, von Herzen seid ihr gut,

Wie selten ihr auch zügelt den tollen Jugcndmuth.

Doch seid ihr hier gerichtet noch eher als verhört,

Schon halb dem Tod verpflichtet, da ihn der Kaiser euch schwört.

„Nun müßt ihr Des entgelten, daß Wittich so fernMit Dietrich Raths zu Pflegen geritten ist nach Bern.

Und kam er noch zurücke, eh diese nach dem Rhein,

Biel Helme würd er spalten und manches Haupt hinterdrein.

„Durch Schild und Harnisch führe der Mimung wie der Wind,So große Unbill büßt' er an mancher Mutter Kind.

Nur Stiefsöhne sind ihm Fritte! und Emmerich,

Doch seines Kaisers Neffen; er wehrte sie sicherlich."

So schürt' er nur dem Kaiser des blinden Zornes Glut.

„Daß du für sie gesprochen kommt ihnen nicht zu Gut,

Sie sollcns nicht genießen, daß du ihr Pfleger bist,

Rur drum noch höher hängen und noch in kürzerer Frist."

Da sprach der treue Eckart; er ließ sich ungern dröhn:

„So lang ich aufrecht stehe und Hache mein Sohn,

Gestatt ichs nicht dem Oheim, daß er die Neffen hängt."

Zu- Rosse liefen beide, die Hengste wurden ersprengt.

Die schlugen sie mit den Sporen und ritten Tag und NachtHinauf zum Hochgebirge, hinab in schneller Jagd,

Bis wo vor dem Schwarzwald Breisach liegt am Rhein:

Da barrtcn sie nickt lange, sie sprangen muthig binein.