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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
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397
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Da gicng einst Odilie, Sibichs Gemahl,

Mit Mägden und mit Frauen in Beckhildens SaalZu ihres Mannes Nichte, der hohen Kaiserin.

Fürstlicher Frauen noch kamen Manche dahin.

Da saßen sie beisammen und tranken guten Wein.

Der Wein belebt die Geister, die Zungen ebenem;

Des Redens und Erzählens war weder Maß noch Ziel.

Da sprach auch Odilie von den beiden Harlungen viel,

Wie sie verwegen wären, Frittel und Emmerich,

Und keine Zucht mehr kennten; mit Nichten ziem es sich,

Daß man sie schalten ließe so zügellos im Land.

So sehr zumal sei Frittel zu allen Lüsten entbrannt,

Daß keine Frau der Ehre, des Magdthnms keine MagdVor ihm mehr sich wäre. Er Hab es selbst gesagt,

Die schönen Fraun im Reiche, von Rom bis an den Rhein,

Er woll ihr aller Buhle, und auch der Kaiserin, sein.

Da schöpfte Beckhildc den Neffen großen Haß.

Sic sprach: „Ganz unerträglich vom Frittel find ich das."»Ja," sprach des Marschalls Traute und würdge Schülerin,„Euch ganz besonders bot er dieß Gewerbe, Kaiserin.

„Mir ziemt euch zu warnen, cs thut uns wahrlich Noth."

Da ward vor Zorn Beckhilde bleich und wieder roth.

Sic saß beim süßen Weine geschreckt und unerfreut

Und wähnte sich von Frittel mit Schmach und Schande gcdreut.

Da kam mit seinen Helden auch Ermenrich nach Haus,

Saß zu den Fraun und leerte viel Becher Lei dein Schmaus.

Da sprach Odilie wieder: „Heut weht ein lauer Wind,Zuweilen strömt cs nieder in Schauern sanft und gelind;

„Gleich reinigt sich die Sonne und scheint so Lrütewarm.

Wer pstegt bei solchem Wetter mit seinem tollen Schwarm.

Wohl anders herzureiten als Vetter EmmerichUnd Frittel sein Bruder? sic kommen uns sicherlich.