184. Eckart und die Hartungen.
Aus „Sibichs Verrath."(Nmclungenlied II, S. 307—332.)
Swanhilde war gefallen und Ermcnrich verwaist,
Da wich von dem Kaiser nicht mehr der böse Geist.
Er ließ sich Niemand rathen; Sibichen glaubt' er blind,
Von dem die bösen Räthe in die Welt gekommen sind.
Er hielt seiner Treue sich mehr als je gewiss,
Seit er um Randwers Leben sich heuchlerisch befliß.
Da ricth ihm der falsche, zum vicrtenmal zu frcin:
Ohne Erben dürf er des Reiches wegen nicht sein.
„Die euch die schönste dünket, die ziemt euch zum Gemahl,
Wer möchte Kaiser heißen, hätt er nicht freie Wahl?
Ein Fürst begehrt, ein König wohl eine Königin;
Wie er die Ehre mehre, das liegt ihm immer im Sinn.
„Des Kaisers ist unwürdig auf Hochgeburt zu sehn;
Und wollt er Abstand meiden, so könnt es nicht geschehn.
Die Ebenbürtge findet er weder nah noch fern,
Dem alle Könge dienen als Obcrkönig und Herrn.
„Doch Fürstentöchter weilen an euerm Hofe viel."
Mit solchen Reden bracht er ihn endlich an das Ziel,
Daß er Beckhilden wählte, Sibichen nahverwandt,
Vom Stamm der Baninge, der einst gebot einem Land.
Der Frauen schönster Namen ist Friedeweberin;
Doch Zwietracht wirken deuchte Beckhilden mehr Gewinn.
Zu Sibichs großer Freude unfruchtbar blieb ihr Schoß;
Des Manns Verwandten wünschte sie drum kein glücklicher Loß.