Straßburg.
357
167. Der Ring.
Es waren einmal drei Reiter gefangen,
Gefangen waren, sie.
Sie wurden gefangen und geführet,
Keine Trommel ward dabei gerühret,
Im ganzen rvmschcn Reich.
Und als sie auf die Brücke kamenWas begegnet ihnen allda?
Ein Mädchen jung an Jahren,
Hatte nicht viel Leid erfahren:
„Geh hin und bitte für uns."
„Und wenn ich für euch bitten thu,
Was hülfe mir denn das?
Ihr zieht in fremde Lande,
Laßt mich armes Mägdelein in Schande,
In Schande laßt ihr mich."
Das Mägdlein sah sich um und um,
Groß Trauern kam sie an.
Sie gieng wohl fort mit WeinenZu Straßburg über die Steinen,
Wohl vors Kommandanten Haus:
„Guten Tag, guten Tag, lieber Herr Commandant,Ich Hab eine Bitt an euch.
Wollet meiner Bitte gedenken
Und mir die Gefangenen los schenken,
Dazu meinen eignen Schatz." —
„Ach nein, ach nein, liebes Mägdelein,
Das kann, das darf nicht sein.
Die Gefangenen, die müßen sterben,
Gottes Reich sollen sie ererben,
Dazu die Seligkeit."