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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
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Straßburg.

Denn am selben Tag entspannt sprang im Uhrwerk jede Feder,

Und des Meisters Rächerhand bracht in Stocken alle Räder.

Und so stehet heut der Bau noch zerrüttet aufgerichtet

Als ein Warnungsmal zur Schau, wie der Undank wird gerichtet.

Mancher Künstler hats versucht, aber keinem wills gelingen,

Was der Meister hat verflucht wieder neu in Schwung zu bringen.Und im Volk die Sage geht: jenes alte tücksche Wesen,

Jener Untergangsprophet ist der Teufel selbst gewesen.

Er mit HLllenkünsten hat alles Unglück angestiftet,

Hat das Herz dem Magistrat ganz verblendet und vergiftet,

Hat den Meister auch bethvrt, daß in jäher RachbegierdeEr mit eigner Hand zerstört seines Werkes hohe Zierde.

Er mit seinem Zauberfluch weiß den Künstler zu berücken,

Daß ein jeder Bauvcrsuch an dem Uhrwerk muß missglücken.

Und wenn fromme Christen stehn trauernd vor dem UhrgebäudeKann man oft den Alten sehn lächeln voller Schadenfreude.

Adolf Stob er.

165. Kaiser Sigismund.

Der ritterlich gestritten auf manchem heißen Feld,

Aus Welschland kommt geritten Herr Sigismund der Held;Zu Felde nicht, zum Throne, gen Achen zieht er heut,

Wo seine Kaiserkrone das deutsche Reich ihm beut.

Und als er nun gekommen nach Straßburg an dem Rhein,Welch Jubeln und Willkommen die Straßen aus und ein!Aus allen Fenstern Grüße, die Wege bunt bestreut,

Musik und Freudenschüßc, vom Münster Festgeläut.

Den Kaiser zu empfangen, stand reich gedeckt der Tisch,Trompet und Pauken klangen und Kränze blühten frisch;Doch schöner war zu schauen als diese BlumenprachtDer Kranz holdselger Frauen in ihrer schmucken Tracht.