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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
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Straßburg.

Und als in später Stunde der Kaiser brach empor,

Trat aus der Frauen Runde die allerschönste vor:

„Ruht aus von aller Mühe, Herr Kaiser, ruhet ganz,

Daß ihr uns morgen frühe recht munter seid zum Tanz."

Kaum hat der Hahn gerufen, schon sind die Frauen wach,

Und harren auf den Stufen vor ihres Herrn Gemach;

Er Horts, nicht lange weilt er, vom Lager auf im Flug,Baarfuß, im Rachtrock eilt er und folgt dem holden Zug.

Zuerst, den Tag zu weihen, ins Münster zieht die Schar,

Wo schon in dichten Reihen das Volk versammelt war.

Die Frühmett ist zu Ende, die Seelen sind erquickt,

Nun hat der Zug behende zum Fest sich angeschickt.

Gleich strvmts in Hellen Haufen der nächsten Bude zu,

Die Bürgcrsfrauen kaufen dem Kaiser ein Paar Schuh;

Und lustig wird dermaßen der edle Herr umringt,

Daß flink er durch die Straßen im Ringeltanze springt.

So ziehen sic im Tanze zum Hohenstcg hinauf,

Es nimmt im lichten Glanze der Herberg Saal sie auf;

Gleich spielen auf die Geigen und Hörner schallen drein,

Der Kaiser schwingt im Reigen manch Bürgerstöchtcrlein.

In Freud und Festen eilen ihm sieben Tage hin,

Nicht länger darf er weilen, zur Krönung muß er ziehn;

Doch eh er ist geschieden, da ließ er goldcnblankDreihundert Ringlein schmieden, den Fraun zu Lieb und Dank.

„Zum Abschied nchmts, ihr Helden, und achtets nicht gering;Wie eure Finger golden umfaßt jedweder Ring,

Soll eure Söhn umwinden der Treue festes BandUnd soll sie ewig binden ans deutsche Vaterland!"

Ado lfStöbcr