Straßburgv
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'Und ein Rad steht oben dran, sacht umschwingcnd vier Gestalten:Kind und Jüngling, einen Mann, und zuletzt noch einen Alten;Auf- und abwärts Tag und Nacht gierig ein jeder seine StreckenJeden Viertelstundenschlag schlagend auf ein Cymbelbecken.
Drüber hängt ein Glöckchen frei, das die Stunde schlagen sollte;War ein Viertel kaum vorbei, kam der Tod, der läuten wollte;Doch hervor trat Jesus Christ und befahl dem Tod zu fliehen,
Erst wann voll der Stunde Frist, ließ er ihn am Strange ziehen.
Und zu oberst unterm Dache war ein Glockenspiel zu preisen;Kirchenlieder mannigfach spielt' es auf in alten Weisen.
So mit frommer Kunst vollbracht, aller Christenheit zur Freude,Stand in seiner vollen Pracht Isaak Habrechts Uhrgebäude.
Aber links dort, conterfeit siehst du einen Alten stehen,
Der dem Werk einst prophezeit, daß es bald müß untergehcn.
Als inan noch am Bauen war kam er oft zur Morgenfrühe,
Und mit Lächeln sagt' er wahr, eitel sei die ganze Mühe/
Einem Steinmetz fiel es bei, hier sein Bildniß auszuhaucn,
Daß er sich im Conterfei überwiesen mäße schauen;
Doch der Alte stand nicht lang, war sein Name schon gerochen,Und des Werkes Untergang zeugte, daß er wahr gesprochen.
Einst der Magistrat erfuhr: Isaak wandre bald ins Weite,
Daß er solche Münsteruhr andern Städten auch bereite;
Und sie sannen ins gemein zu verderben diesen Greisen:
Straßburg sei der Ruhm allein, solch ein Prachtwerk aufzuweiscn.
Und beschlossen wird zugleich, ihm die Augen auSzustechen.
Isaak vor. Entsetzen bleich hört sein grausam Urtheil sprechen;Doch sich faßend fleht er nur: Ach! noch einmal möcht er gehenUnd an seiner Münsteruhr, was zu bessern sei, besehen.
Seine Bitte ward erhört; drinnen saß er eine WeileSchaffend still und ungestört mit der Zange, mit der Feile.
Als er fertig, vor dem Rath ward das Aug ihm ausgestochen;Aber diese Grcuelthat halt er selber schon gerochen.