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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
Entstehung
Seite
350
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Z50

Straßburg.

„Eilet euch, ihr starken Hände, daß ihr euer Grab vollendet!

Weh, ihr glüht wie Feucrbrände! Erde reinigt, was sie schändet.Seid begrüßt ihr, Reingungsquellen! schaudert nicht vor mir zurücke.Ich umspanne eure Wellen, Lin des Heiles feste Brücke."

Und der Bischof sicht zum Heile hier das Unheil ausgedeutet;

Viele Schuh tief grub in Eile dieser Mörder, und erstreitetSich ein Grab in tiefen Quellen, die dem Meister sich verbargen:Sicher kann der Maurer stellen auf den Leichnam dieses Argen.

L. A. v. Arnim.

164. Das Uhrwerk im Münster.

Kommst dn zum Portal herein, wo dich unsrer lieben FrauenBildniss grüßet, einst in Stein von Sabinas Hand gehauen,

Sieh, da steht zur Rechten dir hoch ein Uhrwerk aufgerichtet,

Reich an wunderlicher Zier, doch sein Schlag ist längst vernichtet.

Wie ein Grabmal steht cs stumm, längst verschollen alle Glocken,Und kein Zeiger dreht sich um und die Räder sind im Stocken.Höre, was ein Chronikbuch von dem alten Werk berichtet,

Wie ein längst gesprochner Fluch schwer an ihm den Undank richtet.

Isaak Habrecht hieß der Greis, der das Uhrwerk ausgesonnen,

Und mit frommem Sinn und Fleiß hat er seinen Bau begonnen,Sich gcmühet Tag und Nacht, bis vollendet das GebäudeStand in seiner vollen Pracht, aller Christenwclt zur Freude.

Unten ist ein Pelican mit dem Himmelsball zu sehen,

Mond und Sonne sah man dran täglich auf und untergchen.Drüber ein Kalender hängt, rechts Apoll sich niederneigte,

Daß er mit dem Pfeil gesenkt jeden Tag des Jahres zeigte.

Und darüber wohl gereiht schaun die sieben Götter nieder.

Jeder wartend, bis die Zeit ihn berief, zu herschen wieder:

Kam sein Tag, gebietend dann sah man ihn zuvörderst ragen,

Wie er lenkt' ein Thiergespann auf dem schmucken Siegeswagen.