Wo die Krippe einst gestanden ist der Altar aufgcrichtet:
Wo das Kind die Hirten fanden hat der Morgen ihn umlichtet;
Und zwei Thürme, wo der Tauben keusch getrennte Liebe wohnet,Sich erheben wie der Glauben, der im Geist hoch oben thronet.
j, Unser guter Meister sinnet, daß der Bau in Stein sich gründet,si Bischof Konrads Herz gewinnet, und der Bau wird weit verkündet.I Und Vergebung aller Sünden wird zu diesem Bau verliehenJedem, der sich da wird finden treu und muthig im Bemühen.
Bischof Konrad wohl berathen kommt mit heilgem Ocl und WeineMit dem Stabe, mit dem Spaten, legt geschickt die Gründungssteine.'Ringsum stehn die Arbeitsleute, alle Geistlichen des Landes,
Alle Zünfte graben heute, selbst die Herren edeln Standes.
Als die Weihung ist vollendet tritt der Bischof still zurücke;
Doch ein Streit hat bald geschändet dieser Sonne Gnadenblicke.Wohl mit Recht ist lang verkündet, daß der Teufel sich bestelle,
Wo dis Kirche wird gegründet, seinem Dienste die Capelle.
, Eh der Bischof sie kann trennen, ist ein Streit da ausgcbrochen:
^ Brüder wild im Kampf entbrennen und der Eine ist erstochen.
W „Wer hat diesen Streit entzündet?" ruft der Bischof mit Entsetzen;
« „Neu sei dieser Bau begründet, nicht mit Blut dürft ihr ihn netzen!"
> Und es sprach der Mordgeselle: „Wo dein heilger Arm gegraben,
> Bon der lieben Gnadenstellc stieß er mich wie einen Knaben!
D Weiß, ich Hab den Tod verdienet, daß ich Bruderblut vergaßen,
I Doch es sei die Welt gesühnet, ihr zum Heil sei es gestoßen.
„Wißt, es fließen hier im Grunde zwei versteckte böse Quellen:Stopft ihr nicht die Doppelwunde werdet ihr den Thurm nicht stellen.Ganz umsonst sind hier die Pfähle, Steine, Mörtel ganz vergebens,Wenn ichs nicht zum Grab erwähle in der Fülle meines Lebens.
„Eine Quelle will ich haben mit des armen Bruders Leiche,
Und ein Grab mir selber graben, daß das Waßer schaudernd weiche.Dann erst ist der Thurm gegründet und das Waßer ist bezwungenUnd die Säulen, hoch verbündet, sind vom Sumpfe nicht verschlungen.