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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
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Str aßburg.

163. Das Münster zu Straszburg.

Las; o Herr! das Werk der Zeiten, das dein Hauch hat angercget,Heut durch meinen Mund ausdeutcn! großes Wort sich schwer beweget;Schwer und' langsam wie die Steine, die aus rauhem Fels gespaltenSich erheben zum Vereine und den hohen Thurm gestalten.

Gott erschuf am zweiten Tage, der vom Waßer schied die Erde,Zeugen dieser heiligen Sage, Felsen, sich zum Opferhccrde.

Erwin sah die heilgcn Zeugen drüben harren an dem Rheine,

Und im Geiste ward ihm eigen, was ein Jeder sag und meine.

Wie sie alle ihm gebieten, daß er sie hinübcrführe,

Daß sic hcilgen Dienst behüten, daß die hcilge Kunst sic ziere;

Daß aus felsenfestem Kerne sich erbaue Gottes Kirche;

Darum treiben Gottes Sterne goldnc Adern durchs Gebirge.

Seht! mit diesem Geldgewinne, den sie zu dem Rheine senden,Regen sie der Menschen Sinne, wirken sie in fleißgcn Händen,

Daß sie große Gaben schenken zu der großen Münsterkirchc,

Die der Erwin will erdenken aus den Felsen im Gebirge.

Erwin reißt mit schnellem Bleie viele Pläne zu dem Bane,

Doch es fehlt die rechte Weihe, daß er auch das rechte schaue.

Zu der Wildniss jener Berge dringt er in Verzweiflung weiter,Klagt, daß Wahrheit sich verberge auf des Schönen Himmelsleiter.

Betend kommt er so zur Kirche, die der erste Christ erbauteIn dem wildesten Gebirge, daß er seinen Herren schaute;

Sicht ein zierlich Bild des Stalles, wo der Herr einst war geboren,Und das geht ihm über Alles und er hat eS gleich erkoren.

Die Capell aus Stabgeflechten ist mit Blumen reich verzieret,

Und was andre bilden möchten, diesem Plan der Preis gebühret!Nein, kein Tempel alter Zeiten kann entzücken wie die Hütte:

Soll sich dauerndes bereiten steigt cs nur aus frommer Sitte.