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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
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Mainz.

j Zu Mainz dort auf Len Gaßen, was ziehn die Trommeln auf?Sic wirbeln frisch zusammen das Volk in Hellem Häuf.

Geschäftig schreiten Büttel in ihrem Scharlachkleid,

Viel grimme Schergen stehen, viel Laurer da bereit.

Sie führen in der Mitte ein Kind wie Engel hold,

Im weißen Kleid der Unschuld, die Locken lang entrollt:

Den Besen muß sie führen in ihren Händen weiß,

Die Gaßen muß sie kehren dort in der Spötter Kreiß. -

Zwischen Scherz und Büttel fegt sie her und hin:

Ihr Bürger und ihr Bauern, verhöhnt sic nicht eur Sinn?

Nein, keiner will da lächeln, ernst ist jedwed Gesicht:

Darüber möcht sich ärgern mancher Franzvsenwicht.

Ist nicht das Kehren Schande in der Büttel Geleit?

Doch alles Volk verneiget gar tief sich vor der Maid.

Die Köpfe sic entblößen, wie wird sie hoch geehrt!

Man wandelt wie zur Wallfahrt auf der Straße, die sie kehrt.

Ein Jeder denkt das Seine, Gedanken sind noch frei:

Gott gebe seinen Segen zu dieser Kehrerei.

Sei sic der Reigenführer nach altem deutschen BrauchUnd laße Kehraus tanzen bald jeden welschen Gauch.

Die Büttel und die Schergen ließen die edle Maid,

Bald ward mit Kehraustanzcn das Vaterland befreit.

Was lang in treuen Herzen Stoßseufzer nur gehaucht,

Das war in voller Wahrheit ans Tageslicht getaucht.

Drum wandelst du am Rheine zu Mainz hindurch die Stadt,

So blicke mit Verehrung auf deiner Füße Pfad,

So wandte wie ein Bräutigam, der zum Altäre tritt,

So wandte wie ein König in stolzem Siegerschritt.

Wilhelm von Waldbröhl.