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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
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M a i n z.

119. Das Fräulein vom Steine.

Und ziehst du zum Gestade des vatcrländschcn Rheins,

Und kommst auf deinem Pfade ins altcrgraue Mainz,Duchwallest du die Thore, die Gaßcn breit und eng,

Wo Haus und Pfalz sich reihet in rührigem Gedräng,

So wall hinein mit stolzem und festem Sicgertritt,

So wall als ob ein König vor seinem Volke schritt',

So wall als ob du zögest an deinem EhrentagEin Bräutigam, zu führen ein hochzeitlich Gelag.

Denn diese Straßen kehrte die allerschönste Hand,

Das edelste der Fräulein im weiten deutschen Land.

Dort auf dem Felsen hauste der Lahn der Herr von Stein,Zu Mainz die Gaßen kehrte sein holdes Töchterlein.

Die Franzen hatten lange das deutsche Reich verheert,

Sie maßen wie mit Ellen das Land sich mit dem Schwert,Sie rißen von den Gauen sich ab den besten Theil,

Sie griffen zu, wo irgend für Sinn und Gaumen Heil. -

Im deutschen Volk mit Zürnen erwacht der alte Geist,

Das noch an kühnen Herzen, an Helden nicht verwaist.

Und wie die Männer rüsten, da will auch keine Frau,

Die zarte Maid nicht fehlen am großen Wiederbau.

Da schrieb das edle Fräulein vom Stein dem Bräutigam-Der Rettungstag wird tagen und enden unsre Scham.

Mein Trauter darf nicht feiern, tritt in die Reihen ein,Nur nach dem Kampf, dem Siege mag ich sein eigen sein.

Der Brief lief gar behende, doch tückisch lauscht Verrath:„So greift die Dirn und ihre Verwandten auf der That!Der Vater ist in Preußen, wo er die Kriegsglut schürtlDie Tochter drum ergriffen, gestraft wie sichs gebührt."